Von Enten und Cowboys – Der sexy Schritt (110)

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„Wie du kommst gegangen, so wirst du auch empfangen!“

Dieses alte Sprichwort gibt zwar nur ungefähr das wieder, was in der Attraktivitätsforschung untersucht wurde, doch ich finde, im übertragenen Sinne trifft es die Sachlage recht gut. Denn der Gang eines Menschen erweckt bei uns ganz automatisch bestimmte Assoziationen. Durchsetzungsstark, bestimmend, selbstsicher oder zurückhaltend, flatterhaft, verschlossen sind einige Beispiele dafür.

Der Gang eines Menschen ist individuell. Wenn Du Dich mit einem Freund oder einer Freundin in der Altstadt verabredet hast, so erkennst du den Menschen, wenn er auf Dich zu kommt, schon weit vorher an seinem Bewegungsmuster, bevor du ihn wirklich am Gesicht, den Haaren oder der Kleidung erkennst.

Ich habe schon vorher einmal erwähnt, für wie unvorteilhaft ich den Gang einer Frau halte, wenn sie die Füße beim Gang mit den Zehen nach außen gerichtet bewegt. Es hat für mich etwas watschelndes, und in meinen Augen ist es sehr unerotisch. Genauso gibt es Bewegungsmuster beim Mann, die mehr schlecht als recht wirken. So zum Beispiel bedeutet für mich ein kurzes Trippeln beim Mann ein eher ulkiges Bild eines Menschen, den man nur schwer ernst nehmen könnte.

Was die Forschung in einer Bewegungsstudie zu diesem Thema ermittelt hat, ist äußerst spannend. Forscher der Ruhr-Universität Bochum unter Leitung von Professor Nikolaus Troje fanden heraus, welches Gangbild das jeweils andere Geschlecht am meisten fasziniert.

„Bewegungswahrnehmung spielt in der Natur eine zentrale Rolle. Sie entscheidet unter anderem über Flucht und Angriff, soziale Verhaltensweisen und sexuelle Attraktivität“, erläutert Troje.

Im Labor „BioMotionLab“ der Fakultät Psychologie untersuchte man mit einem raffinierten Verfahren, wie das Gehirn komplexe Bewegungsmuster verarbeitet. Rund 100 Testpersonen steckte man in dunkle Kleider und befestigte an einigen Gelenken reflektierende Folienpunkte. Im dunklen Raum waren zunächst nur die Punkte zu sehen, beim Laufen aber wurden in von Sekundenbruchteilen die Menschen sichtbar.Testpersonen, denen man diese Laufdaten am Monitor vorspielte, vermochten in drei Viertel der Fälle an der Bewegung der Körpersilhouette zu erkennen, ob es sich um Männer oder Frauen handelte.

Jeder von uns weiß, dass Frauen einen anderen Gang haben, als Männer. Männer haben einen sehr raumeinnehmenden Gang, während sich Frauen eher schlank machen in ihrer Bewegung. Die bekannte Assoziation mit den Rasierklingen unter den Achseln beschreibt recht plakativ den Gang der Männchen. Er macht sich groß und stark in seinen Bewegungen. Mit dem Ziel zu vermitteln, wie geeignet er doch ist, sein Weibchen und seine Nachkommenschaft zu beschützen.

Die Frau hingegen macht sich klein und schmal, um zu zeigen, wie sehr sie genau den Schutz benötigt, den ihr ein potentieller Partner bieten sollte. Frauen nehmen sich zurück und setzen offenbar subtilere Signale ein und halten beim Gehen die Ellenbogen nah am Körper. Den Oberkörper bewegen sie kaum, drehen aber mehr die Hüften.

Die Frage, ob die Signale beim anderen Geschlecht so ankommen, wie sie gemeint werden, wurde in dieser Studie gleichwohl untersucht. Es zeigte sich, dass die Menschen häufig in ihren Vermutungen daneben lagen. Einschätzungen, welche Gangart vom jeweils anderen Geschlecht als attraktiv bewertet werden, fielen beim Vergleich der Ergebnisse unterschiedlich aus. Der Gang, von dem beispielsweise die Frauen annahmen, er würde bei Männern besonders gut ankommen, fand bei Männern einen gar nicht so hohen Anklang.

Um in der Studie nähere Erkenntnisse über die Körpersprache zu gewinnen, forderte man die Testpersonen nach dem „Erkennungstest“ auf, die sexuelle Attraktivität der Punkt-Licht-Läufer/-innen zu bewerten. Was den Sex-Appeal der männlichen Läufer betrifft, waren sich die Beobachter beiderlei Geschlechts einig: Nicht der klassische Cowboy, sondern ein Mann, dessen Gang eine Komposition von Schwung, Kraft und Entschlossenheit zeigt, wirkt attraktiv.

Was die Fortbewegung der Damen angeht, klafften die Ansichten allerdings auseinander. Eine für Männer attraktive Frau macht Schritte, bei denen ihre Füße eng nebeneinander auftreten. Männer lieben bei Frauen den typischen „Cat Walk“, wie ihn die Mannequins auf dem Laufsteg hinlegen: Sie setzen ihre Füße eng auf einer geraden Linie auf, im Extremfall überkreuzen sich die Beine sogar.

Den breiten Männergang mit schwankendem Oberkörper darf sich eine Frau dagegen keinesfalls leisten: Das, so das Urteil der Herren, wirkt total unattraktiv. Frauen sehen das komplett anders. Für sie ist schwungvoll sexy – und alles andere eher verkrampft.

Was kann ich daraus entnehmen? Unsere Bewegungsmuster üben einen wesentlichen Einfluss auf unser Erscheinungsbild aus. Damit schließt die Art, wie wir uns bewegen, wie wir gehen, ein hohes Maß, einen großen Anteil an den Faktoren mit ein, die unsere Attraktivität bestimmen. Eine Frage, die sich daran anschließt ist, ob die Menschen ein Bewusstsein dafür besitzen, wie sie sich bewegen, wie sie gehen. Die Frage kann vielleicht jeder für sich selbst beantworten. Für mich selbst kann ich sagen, dass ich einen Gang mit Anmut und Harmonie sehr mag. Dass es laut der Studie für die meisten Menschen ähnlich ist, tut dem keinen Abbruch.

So ist der Gang eines Menschen auch nur ein kleines Puzzleteil im komplexen Ganzen der menschlichen Erscheinung. Eng verwandt mit Gestik und Mimik, aber auch mit Kleidung und Haartracht trägt es zu unserer Wirkung auf unsere Mitmenschen bei und wir werden auch daran erkannt und empfunden.

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