Paparazzi, der. (107)

murs2 jeans hintern  Mies-Vandenbergh-Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Abfällig bezeichnete unlängst ein Passant einen Fotografierenden mit einem lichtstarken Teleobjektiv als Paparazzi. Er drehte sich zu mir um, und fügte seiner in den luftleeren Raum angegebenen Bemerkung noch hinzu, dass “Sowas“ ja nur gebraucht würde, um den Hintern von irgend welchen Prominenten abzuschießen. Im Anschluss aber an diesem Satz hängte er ein fragendes „oder?“ an, und blickte mich dazu noch an. Ich gebe zu, ich war sehr verdutzt, und ich bejahte seine Bemerkung zu allererst, doch schon während meiner völlig verfehlten, daher geschwafelten Entgegnung wurde mir deren unsinniger Inhalt bewusst, und ich konnte noch eine Gegenfrage anschließen: „Müssen Paparazzi nicht eher unauffällig agieren, anstatt solch auffällige Objektive zu gebrauchen?“

Doch diese Frage schien dann doch zu viel für den Menschen zu sein. Er sah mich entsetzt an, wohl mit dem Gedanken, ob ich ihn in eine Diskussion verwickeln wollte, drehte sich dann doch lieber herum und schlich von dannen.

Was hat es mit dieser Momentaufnahme auf sich? Spiegelt diese Ansicht dieses einzelnen Herrn die Meinung einer ganzen Gruppe von Menschen wieder, die jene Fotografen als Paparazzi betrachten, die ein größer dimensioniertes Objektiv verwenden? Im Zoo oder auf der Safari würde wohl niemand auf derartige Gedanken kommen. Da wäre das anerkannte Motiv wohl für jeden erkennbar in einem Tier zu vermuten.

Anders aber in den Bereichen, in denen Ottonormalbürger einem Fotografen begegnen könnte. In Bereichen wie der Straße, dem Strand, der Stadt und anderen öffentlichen oder halb-öffentlichen Plätzen. Was könnte der Fotograf dort mit einem 500er f1:4,0 fotografieren? Was würde er oder sie denn mit diesem Objektiv in dieser Umgebung erfassen?

Auf der anderen Seite ist die Frage zu stellen, was denn das Ergebnis der „Paparazzi-Arbeit“ ist! Fotos von mehr oder weniger Prominenten, mal mehr mal weniger erwünscht. So gaben doch manche „Prominente“ an, dass sich ihr „Marktwert“, ihre Beliebtheit durchaus in der Frequenz der geschossenen Paparazzi-Fotos berechnete.

Wenn es für die nicht für Fotos von Menschen im urbanen Raum (Streetfotografie) bezahlten Fotografierenden darum geht, authentische Fotografien zu erstellen, so haben sie die Möglichkeit entweder mit einem Normalobjektiv direkt in die Szenerie hinein zu fotografieren, eventuell dies vorher zu erfragen, oder mit einem Teleobjektiv von etwas weiter weg zu dokumentieren. Über die Vorzüge und Nachteile der ein oder anderen Methode habe ich HIER bereits geschrieben.

Kommen wir zurück auf das 500er f1:4. Mal abgesehen von dem Anschaffungspreis, der durchaus im Bereich eines Kleinwagens liegt, stelle ich die Frage, wie oft wir einen Menschen mit diesem Tele auf offener Straße sehen, oder mit einem bauähnlichen Objektiv? Weder in meiner Zeit in Berlin, noch Düsseldorf, noch hier in Koblenz habe ich öfter als 2-3 mal überhaupt einen Fotografierenden mit einem solchen Objektiv gesehen. Ganz anders im Fußballstadion! Massen dieser Linsen mit Fotografen daran laufen um das Spielfeld. Aber auf der Hohestraße in Köln? Fehlanzeige! Am Dom? Fehlanzeige! Da sind dann eher einige 70-300er zu sehen. Doch dieses Objektiv hätte niemals den Ausspruch des Herrn vom Anfang ausgelöst. Dafür kannte er sich wohl zu wenig aus, und dass damit genauso gut der ein oder andere Hintern eines nicht so prominenten Mitmenschen abzulichten wäre, das würde ihm sicher entgehen.

Damit bin ich bei der Krux des kurzen Erlebnisses. Es geht weniger um die Werkzeuge bei der Verrichtung eines Werkes, es geht um das Ergebnis! Dass es mit besseren Werkzeugen leichter, sicherer, oftmals besser geht, das ist schon lange kein Geheimnis mehr. Welche Aussenwirkung ein baulich großes Teleobjektiv hat, ist einerlei, werden doch die damit geschossenen Bilder, gleich ob es Paparazzi-Aufnahmen von Prominenten, die millionenfach in hunderten von Magazinen erscheinen, und exorbitante Auflagen erzielen, oder spannende Detailaufnahmen eines Zebras sind, von der Mehrzahl der Menschen in Massen konsumiert. Auch der Herr vom Anfang wird vermutlich genau wissen, wovon er spricht, wenn er Zuhause die neueste Auflage der „Bunte“, des „Stern“ oder auch der „Gala“ seiner Frau „liest“!

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