Die nackte Wahrheit – Warum sind wir nackt und doch nicht nackt (108)

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Wann sind wir nackt? Warum sind wir nackt? Was bedeutet nackt für uns und für andere?

In Wikipedia heißt es:
„Als Nacktheit bezeichnet man die Kleidungslosigkeit von Menschen oder die Haar- oder Federlosigkeit von Tieren.Psychologisch bezeichnet man beim Menschen auch die mit der Nacktheit verbundene subjektive Empfindung selbst als Nacktheit oder Blöße; die Empfindung kann je nach Erziehung bzw. nach den Umständen unangenehm sein (Scham) oder angenehm sein (Gefühl der Freiheit oder Befreiung).Das subjektive Empfinden von Nacktheit kann neben dem Fehlen von Kleidung auch aus dem Fehlen von Haaren oder gewohnheitsmäßig am Körper getragenen Gegenständen wie Waffen, Schmuckstücken, Perücken oder Schminke entstehen.“

Schon die darin enthaltenen Begriffe Blöße und Scham lassen auf ein sehr komplexes Gebilde von Konventionen und Regeln, Tabus und Gesetzen schließen.

Weiter heißt es:
„Nackt bedeutet zunächst das vollständige Fehlen von Kleidung, Schmuck und Gegenständen am menschlichen Körper. Es kann sich aber auch nur auf das Fehlen der Kleidung beziehen.

Nacktheit bezeichnet ein sehr weites Spektrum an Emotionen und Befindlichkeiten. und der Sichtbarkeit von Bereichen des Körpers, die üblicherweise aus normativen, hygienischen oder klimatischen o.ä. Ursachen, von Kleidung bedeckt sind. Nacktheit wird also sowohl definiert durch die Abwesenheit als auch die Anwesenheit von Kleidung, Schmuck und Gegenständen. Man kann demnach zunächst zwischen vollständiger Nacktheit (splitter(faser)nackt) und teilweiser Nacktheit (halbnackt) unterscheiden.

Nacktheit kann einen nackten Fuß meinen, dessen Sichtbarkeit keinen kulturellen Tabus unterliegt oder das Entblößen des nackten Hinterns (blank ziehen) in der Öffentlichkeit. Auch ein Kiltträger kann, wenn er auf Unterwäsche verzichtet, trotz oberflächlicher Bekleidung, als unter dem Schottenrock nackt bezeichnet werden.Nacktheit hat neben dem reinen Fehlen üblicher Bekleidung auch semiologische und psychologische Dimensionen.

-Psychologisch bedeutet Nacktheit vor allem die Empfindung des Fehlens der schützenden, wärmenden Kleidung. Das Fehlen zum Beispiel einer Waffe, eines Fingerrings, eines Hutes, oder eines kulturell vorgeprägten Statussymbols, können das Gefühl fehlenden Schutzes und damit von Nacktheit auslösen.“

Eine gute Freundin hatte die Angewohnheit niemals ungeschminkt die Wohnung zu verlassen. Sie hatte das Gefühl, dass sie ohne ihre Maskerade völlig nackig da stehen würde. Ferner hatte ich während des Studiums einen Kommilitonen, der trug eine Brille mit Fensterglas, weil er das Gefühl hatte, ohne sie entblößt dazustehen. Diese beiden Fälle von Verkleidung – zur Vermeidung eines Gefühls der Blöße, sicher keine Einzelfälle, geben einen interessanten Hinweis auf die Denkweise unserer Gesellschaft.

„-Semiologisch meint, dass die Sichtbarkeit von Körperteilen, die üblicherweise von Kleidung bedeckt sind, abhängig von Situation und Ort eine kulturelle Bedeutung haben, also wie ein sprachliches Zeichen funktionieren. Es ist dazu nicht notwendig, dass die Bedeutung der Zeichen bewusst reflektiert wird. Beispiele dafür sind der nackte Protest, der nach Aufmerksamkeit sucht und in der Überwindung der Tabus auf die Wichtigkeit des Anliegens weist; der Flitzer beim Fußballmatch, der Mut und Männlichkeit demonstriert; die Frauen, die in frühislamischer Zeit neben dem Schlachtfeld stehen und ihre Brüste zeigen, um ihren Männern zu erklären, dass sie so nackt und ausgeliefert wie die Skavinnen sein werden, wenn sie verlören; das Zeigen von Hintern oder Genital beim Anasyrma; der Exhibitionist, der andere Menschen mit seiner Nacktheit verletzten möchte; der Verzicht auf ein Kopftuch als politisches Statement; das tiefe Decolleté, ein freier Bauch oder ein Minirock als sexuelle Provokation; und auch FKK kann als Befreiung von äußeren Zwängen verstanden werden.

Die Bedeutung der Zeichen ist künstlich, unterscheidet sich also von Kultur zu Kultur und unterliegt auch einer zeitlichen Entwicklung. So würde ein Nacktportrait eines italienischen Präsidenten anders interpretiert werden müssen als das Nacktportrait eines römischen Kaisers.“

Nackt! Der Mensch ist unter den Primaten der einzige ohne Fell. Vermutlich vor ca. 1 Million Jahren hat sich der Homo sapiens sapiens des Fells entledigt. Doch Homo sapiens ist der Mensch erst seit ca. 200 000 Jahren. Zuvor war er Homo erectus.

Wann sind wir nackt? Es gibt also eine sehr individuelle Einstellung zu diesem Thema, denn die Schwelle zum Gefühl des Nacktseins liegt für jeden Menschen an unterschiedlicher Stelle. Manche Menschen sind nackt, wenn sie sich ohne Kleidung an einem bestimmten Ort befinden. An einem Ort kann für jeden einzelnen von uns eine eigene Bedeutung entstehen. Für manchen bedeutet es schon eine Entblößung nackt im engsten Kreise seiner Familie zu verweilen. Für andere ist es normal sich der Familie gegenüber nackt zu zeigen. Wenn ich die Familie, respektive den Partner als den engsten persönlichen sozialen Kontakt unterstelle, so dürfte es außer dem Alleinsein keine intimere Beziehung zum persönlichen Umfeld geben. Alle anderen Kontakte sind damit im Sinne der Intimität weiter entfernt und dürften im Falle der Nacktheit umso größere Zurückhaltung verursachen.

Neben dem Nacktsein im Kreise der Familie gibt es weitete Situationen, weitere Gelegenheiten, in denen die Nacktheit nicht als ungewöhnlich angesehen wird. Da ist beispielsweise der Besuch in der Sauna oder der Besuch eines FKK-Strandes. Schon diese Aktivitäten sind ein Stück weit öffentlicher als das Unbekleidetsein zu Hause, und für einen Großteil der westlich orientierten Bevölkerung nur schwer denkbar. Ich möchte mich an dieser Stelle auf die westlich orientierte Gesellschaft beschränken, denn die Naturvölker nähmen mindestens ein komplettes Posting ein.

Weitergehendes Auftreten ohne Kleidung gibt es in unserer Gesellschaft nur wenig, es seien als Beispiel die neuerdings in Mode gekommenen Nacktwanderer zu nennen. Dabei wandern Gruppen von Menschen nur mit festem Schuhwerk bekleidet, sonst aber nackig, über bestimmte Wanderwege.

Alle anderen Situationen,alle sonstigen Handlungen, in denen von Nacktheit die Rede ist, spielen sich im Verborgenen ab. So sehr die Menschen dem Nacktsein auch widerstreben, so groß ist das Interesse, das Verlangen nach Nackheit – nur nicht bei sich selbst, sondern bei anderen Individuen. Über diesen Widerspruch habe ich jedoch schon vorher geschrieben, das möchte ich hier nicht wiederholen.

Was könnte man über das Nacktsein resümieren? Wir haben uns weit entfernt von jeglicher Urspünglichkeit. Normen und Regeln des täglichen Miteinanders regulieren unsere Verhaltensweisen. Gebote vermeiden eine Natürlichkeit, die, egal ob hilfreich oder nicht, unsere Gefühle und Wünsche von Anfang an gehörig unter Druck setzen. Schon in frühester Kindheit werden wir konditioniert zur Nackheit ein bestimmtes, gesellschaftskonformes Verhältnis aufzubauen. Welche Folgen das hat, wie wir diesem widernatürlichen Verständnis begegnen ist in der Gesellschaft von jedem -auch an der schleichenden Entfremdung zur Körperlichkeit – leicht zu erkennen.

HEIMLICH, STILL UND LEISE …

Paparazzi, der. (107)

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Mies-Vandenbergh-Fotografie

Abfällig bezeichnete unlängst ein Passant einen Fotografierenden mit einem lichtstarken Teleobjektiv als Paparazzi. Er drehte sich zu mir um, und fügte seiner in den luftleeren Raum angegebenen Bemerkung noch hinzu, dass “Sowas“ ja nur gebraucht würde, um den Hintern von irgend welchen Prominenten abzuschießen. Im Anschluss aber an diesem Satz hängte er ein fragendes „oder?“ an, und blickte mich dazu noch an. Ich gebe zu, ich war sehr verdutzt, und ich bejahte seine Bemerkung zu allererst, doch schon während meiner völlig verfehlten, daher geschwafelten Entgegnung wurde mir deren unsinniger Inhalt bewusst, und ich konnte noch eine Gegenfrage anschließen: „Müssen Paparazzi nicht eher unauffällig agieren, anstatt solch auffällige Objektive zu gebrauchen?“

Doch diese Frage schien dann doch zu viel für den Menschen zu sein. Er sah mich entsetzt an, wohl mit dem Gedanken, ob ich ihn in eine Diskussion verwickeln wollte, drehte sich dann doch lieber herum und schlich von dannen.

Was hat es mit dieser Momentaufnahme auf sich? Spiegelt diese Ansicht dieses einzelnen Herrn die Meinung einer ganzen Gruppe von Menschen wieder, die jene Fotografen als Paparazzi betrachten, die ein größer dimensioniertes Objektiv verwenden? Im Zoo oder auf der Safari würde wohl niemand auf derartige Gedanken kommen. Da wäre das anerkannte Motiv wohl für jeden erkennbar in einem Tier zu vermuten.

Anders aber in den Bereichen, in denen Ottonormalbürger einem Fotografen begegnen könnte. In Bereichen wie der Straße, dem Strand, der Stadt und anderen öffentlichen oder halb-öffentlichen Plätzen. Was könnte der Fotograf dort mit einem 500er f1:4,0 fotografieren? Was würde er oder sie denn mit diesem Objektiv in dieser Umgebung erfassen?

Auf der anderen Seite ist die Frage zu stellen, was denn das Ergebnis der „Paparazzi-Arbeit“ ist! Fotos von mehr oder weniger Prominenten, mal mehr mal weniger erwünscht. So gaben doch manche „Prominente“ an, dass sich ihr „Marktwert“, ihre Beliebtheit durchaus in der Frequenz der geschossenen Paparazzi-Fotos berechnete.

Wenn es für die nicht für Fotos von Menschen im urbanen Raum (Streetfotografie) bezahlten Fotografierenden darum geht, authentische Fotografien zu erstellen, so haben sie die Möglichkeit entweder mit einem Normalobjektiv direkt in die Szenerie hinein zu fotografieren, eventuell dies vorher zu erfragen, oder mit einem Teleobjektiv von etwas weiter weg zu dokumentieren. Über die Vorzüge und Nachteile der ein oder anderen Methode habe ich HIER bereits geschrieben.

Kommen wir zurück auf das 500er f1:4. Mal abgesehen von dem Anschaffungspreis, der durchaus im Bereich eines Kleinwagens liegt, stelle ich die Frage, wie oft wir einen Menschen mit diesem Tele auf offener Straße sehen, oder mit einem bauähnlichen Objektiv? Weder in meiner Zeit in Berlin, noch Düsseldorf, noch hier in Koblenz habe ich öfter als 2-3 mal überhaupt einen Fotografierenden mit einem solchen Objektiv gesehen. Ganz anders im Fußballstadion! Massen dieser Linsen mit Fotografen daran laufen um das Spielfeld. Aber auf der Hohestraße in Köln? Fehlanzeige! Am Dom? Fehlanzeige! Da sind dann eher einige 70-300er zu sehen. Doch dieses Objektiv hätte niemals den Ausspruch des Herrn vom Anfang ausgelöst. Dafür kannte er sich wohl zu wenig aus, und dass damit genauso gut der ein oder andere Hintern eines nicht so prominenten Mitmenschen abzulichten wäre, das würde ihm sicher entgehen.

Damit bin ich bei der Krux des kurzen Erlebnisses. Es geht weniger um die Werkzeuge bei der Verrichtung eines Werkes, es geht um das Ergebnis! Dass es mit besseren Werkzeugen leichter, sicherer, oftmals besser geht, das ist schon lange kein Geheimnis mehr. Welche Aussenwirkung ein baulich großes Teleobjektiv hat, ist einerlei, werden doch die damit geschossenen Bilder, gleich ob es Paparazzi-Aufnahmen von Prominenten, die millionenfach in hunderten von Magazinen erscheinen, und exorbitante Auflagen erzielen, oder spannende Detailaufnahmen eines Zebras sind, von der Mehrzahl der Menschen in Massen konsumiert. Auch der Herr vom Anfang wird vermutlich genau wissen, wovon er spricht, wenn er Zuhause die neueste Auflage der „Bunte“, des „Stern“ oder auch der „Gala“ seiner Frau „liest“!

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