Die Tabus des Menschlichen, Teil 2 (103)

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Im zweiten Teil möchte ich der Frage nachgehen, wie die Menschen den vermeintlichen Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Tabu „Popo“ auf der einen Seite und der modischen Unterstreichung des Hinterns in körperbetonten Kleidungsstücken auf der anderen Seite leben. Wie ich bereits im ersten Teil erwähnte, sehe ich gerne einen wohlgeformten Hintern in einer dieser körperbetonenden Kleidungsstücke an!

Dabei fällt mir die Häufigkeit auf, mit der der Hintern derartig betont hervorgehoben wird, und das führt zu folgenden Kommentaren:

· Relativ viele Menschen definieren ihr Aussehen über die Betonung ihres Körpers.

· Eng anliegende Stoffe betonen und formen die Konturen der Körper in besonderem Maße· Relativ viele Menschen wissen um die Attraktivität ihres Körpers

· Relativ viele Menschen manipulieren die Form ihres Körpers (Body-Shaping: Bauch, Beine, Po-Übungen, Push-Up-Kleidung, hochhackiges Schuhwerk,…)

· Körperverschönerungen waren und sind in allen Kulturen und zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte Fakt

· Relativ viele Menschen betonen ihren wohlgeformten Hintern durch entsprechende Kleidung

· Eine allgemeingültige Aussage über die Intention der Betonung des Körpers lässt sich daraus nicht entnehmen

· Über die Wirkungsweise der Po-betonenden Kleidung auf andere Menschen ist sich der Mensch bewusst

· Verstärkt wird die Wirkung der Po-betonenden Kleidung noch durch die Bewegungen, den Gang des Menschen

Das ist also die modisch-verhaltensorientierte Seite beim Umgang mit dem Popo. Bei der gesellschaftlichen Umgangsweise mit dem Thema Hintern finde ich eine viel größere Zurückhaltung. Woher kommt dieser Unterschied? Vielleicht sollte ich dazu noch viel weiter ausholen und den Umgang mit anderen Tabus beleuchten. Dabei ist es interessant, schon mit dem Wort TABU zu beginnen, bevor ich mich mit den Bereichen des menschlichen Lebens beschäftige, in denen Tabus vorzufinden sind. In Wikipedia steht geschrieben:

„ … Tabu beruht auf einem stillschweigend praktizierten gesellschaftlichen Regelwerk, auf einer kulturell überformten Übereinkunft, die Verhalten auf elementare Weise gebietet oder verbietet . Tabus sind unhinterfragt, strikt, bedingungslos, sie sind universell und ubiquitär, sie sind mithin Bestandteil einer funktionierenden menschlichen Gesellschaft. Dabei bleiben Tabus als soziale Normen unausgesprochen oder werden allenfalls durch indirekte Thematisierung (z. B. Ironie ) oder beredtes Schweigen angedeutet: Insofern ist das mit Tabu Belegte jeglicher rationalen Begründung und Kritik entzogen. Gerade auf Grund ihres stillschweigenden, impliziten Charakters unterscheiden sich Tabus von den ausdrücklichen Verboten mit formalen Strafen aus dem Bereich kodifizierter Gesetze. Nahezu alle Lebewesen, Gegenstände oder Situationen, die ins menschliche Blickfeld rücken, können tabuisiert werden. Tabus können sich beziehen auf Wörter, Dinge (z. B. Nahrungstabu), Handlungen (z. B. Inzesttabu ), Konfliktpunkte/-themen, auf Pflanzen und Tiere, auf die Nutzung von Ressourcen (siehe Tapu ), auf einzelne Menschen oder soziale Gruppen.Die Begriffe ‚Tabu‘ und Political Correctness haben eine Schnittmenge; sie sind nicht leicht voneinander abzugrenzen.“

Zur Herkunft des Wortes:

„Der Begriff „Tabu“ stammt aus dem Sprachraum Polynesiens und ist aus dem Wort „ tapu“, abgeleitet. Tabu als Begriff fand Anfang des 20. Jahrhunderts weitgehend Eingang in die deutsche Sprache – und zwar sowohl als Adjektiv („etwas ist tabu“) als auch als Substantiv („etwas ist ein Tabu“). Als Eigenschaftswort bezeichnet tabu einen Zustand, der mit „unverletzlich“, „heilig“, „unberührbar“ beschrieben werden kann: Tabuisierte Dinge – so die religiöse Vorstellung der Polynesier – müssten streng gemieden werden, da sie gefährliche Kräfte besäßen. Auf den Tonga-Inseln bedeutet tabu oder tapu ursprünglich „unter Verbot stehend“,„nicht erlaubt“. In seinem heutigen Gebrauch heißt das Wort auf Tonga „heilig“, „geheiligt“, aber durchaus auch in dem Sinn von „eingeschränkt“ oder „durch Sitte und Gesetz geschützt“, Beispielsweise wird die Hauptinsel des Königreiches Tonga Tongatapu genannt, was hier eher „heiliger Süden“ bedeutet als „verbotener Süden“.

In diesem -noch nicht verifizierten- Artikel ist sehr anschaulich die gesellschaftliche Herangehensweise an das Thema „Tabu“ formuliert, so dass ich dies gleich aufgreifen und übertragen möchte:

Ist das Tabu des Hintern unhinterfragt, strikt, bedingungslos? Dass dies Tabu stillschweigend etabliert, aus praktiziertem gesellschaftlichen Regelwerk bestehend unseren Umgang miteinander reglementiert, steht für mich außer Frage. Ob das Tabu jeglicher rationalen Begründung und Kritik entzogen wird, das möchte ich erörtern. Danach sollte jeder selbst für sich entscheiden, in wie weit er diesem Tabu mehr oder weniger weit unterliegt. Weiter geht es im dritten Teil…

Ein Gedanke zu “Die Tabus des Menschlichen, Teil 2 (103)

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