Finden wir im Alter (mehr) Menschen attraktiver? (105)

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Beachten wir die anderen Menschen um uns herum mit zunehmendem Alter in unterschiedlicher Weise? Ist es so, dass wir in jüngeren Jahren die Attraktivität der Anderen kritischer sehen, als in fortgeschrittenem Alter?

Bei mir und meinen Freunden und Freundinnen, die wir definitiv nicht mehr zu der jüngeren Generation zählen, weil wir allesamt in den 40ern sind, und die 13-14-jährigen sagen: „Wow, soo alt seid ihr schon, waaahnsinn…!“, kam es vor kurzem zu dieser Debatte. Es wurde in den Raum geworfen, dass einem in der heutigen Zeit die Menschen doch attraktiver vorkommen, als in den Jahrzehnten zuvor. Nach der überraschenden Feststellung, dass es mehreren von uns so vorkam, versuchen wir sogleich zu ergründen, was uns zu dieser Annahme führte.

· Sind die Menschen wirklich attraktiver?
· Ist es deswegen, weil wir älter geworden sind, und es relativ mehr jüngere Menschen gibt, deren Jugendlichkeit vermeintlich als Attraktivitätsbonus gilt?
· Liegt es an der Kleidung, die durch ihre deutliche Körperbetonung die Attraktivität steigert?
· Tragen die gerade Jüngeren durch ihre hohe Identifikation über das Äußerliche zu diesem Eindruck bei?
· Führte die gestiegene Aufgeschlossenheit und Offenheit anderen Menschen gegenüber, die eine scheinbar größere soziale Nähe suggeriert, zu dieser Wahrnehmung?

Diese und andere Fragestellungen erörterten wir gemeinsam. Verständlicherweise kamen wir an diesem Tag nicht zu einem abschließenden Ergebnis, dafür waren die Variablen einfach zu vielfältig. Doch ich selbst beschäftige mich weiter mit diesem Thema, und ich fand zumindest einen Hinweis, der die Erkenntnis unterstützt, dass uns in fortgeschrittenem Alter relativ mehr Menschen attraktiv erscheinen:

„… , dass die älteren Versuchspersonen die Stimuluspersonen insgesamt attraktiver fanden als die jüngeren Urteiler… , wobei auch hier die Älteren die positiveren Bewertungen abgaben. …Insgesamt lässt sich feststellen, dass die älteren Versuchspersonen generell positivere Attraktivitätseinschätzungen abgaben als die jüngeren. Wenn man aber bedenkt, dass die Skalenmittel bei 5 liegt, dann sollte man vielleicht besser sagen: Junge Urteiler finden ältere Stimuluspersonen ziemlich unattraktiv – und dies umso mehr, je älter diese sind.“ aus Ronald Henss, Spieglein Spieglein an der Wand, Beltz Verlag, 1992

Hier finden sich also empirische Untersuchungen, die belegen, dass die Attraktivität von jüngeren Menschen differenzierter gesehen wird. Warum es so ist, dazu werde ich noch weiter suchen.

Im Freundeskreis spekulierten wir heißblütig. Wir kamen unter anderen zu der Meinung, dass das Aussehen im Laufe der Jahre an Bedeutung verliert, weil die Menschen im Laufe der Jahre erfahren, wie sich die Schönheit verändern kann, ja wie flüchtig sie letztenendes wirklich ist. Weiterhin hat sich unserer Auffassung nach die Anzahl der Jüngeren in Relation zu unserem eigenen Alter im Laufe der Zeit drastisch erhöht. Gegensätzlich nahmen wir auch an, dass die Erfahrung im Leben uns zu einer anderen Einstellung zur Attraktivität schlechthin gebracht.

Damit meine ich, dass in unserem zarten Alter zwischen 40 und 50 auch jene Menschen attraktiv werden, deren ein oder andere Falte im Gesicht erst einen Charakter entstanden ließ. Ein Mensch steht damit vor uns, der durch die unterstellte Lebensweisheit nicht nur körperlich attraktiv anmutet, sondern zudem diese geistig-emotionale Intelligenz ins Feld führt und damit so manche babyhaft behautete Schönheit in den Schatten stellt.

Wie dem auch sei, es findet sich bei jedem Menschen in jeder Altersgruppe sowohl in der eigenen Auffassung wie auch in der eigenen Aussenwirkung bestimmte Vorzüge und Vorlieben. Wenn auch jeder Einzelne seine persönlichen Eigenheiten weitestgehend lebt, so kann man aus der Summe der Bekundungen doch Tendenzen resümieren. Dazu ein Beispiel: Bei den Männern finden sich im Laufe des Alters Steigerungen der Attraktivität, während bei den Frauen dieser Prozess nicht ermittelt werden konnte. Dazu jedoch in einem der nächsten Beiträge mehr.

Die Tabus des Menschlichen, Teil 3 (104)

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Nun also zu den gesellschaftlichen Verflechtungen innerhalb der verfänglichen Begrifflichkeiten. Politisch unkorrekt sind bei weitem nicht nur Themen den Hintern betreffend. Im vorherigen Beitrag stellte ich folgende Überlegungen an:

· Ist das Tabu des Hintern unhinterfragt, strikt, bedingungslos?

· Ist das Tabu des Popos stillschweigend etabliert, aus praktiziertem gesellschaftlichen Regelwerk bestehend, das unseren Umgang miteinander reglementiert?

· Wird das Tabu des Gesäßes jeglicher rationalen Begründung und Kritik entzogen?

Wenn etwas nicht ausgedrückt wird, wenn über etwas nicht gesprochen wird, so kann man es nicht in Frage stellen. Um etwas zu kritisieren, sollte man sich mit diesem Faktum aus möglichst vielen Richtungen annähern, es von allen Seiten beleuchten, und die Ergebnisse formulieren. Doch bereits in frühester Kindheit wurden und werden wir dahingehend konditioniert, dass der Podex etwas mit Schmutz zu tun hat. Unsere Exkremente sind demnach etwas, was man nicht ansieht, geschweige denn begreift. Dabei wurde und wird so gründlich vorgegangen, dass selbst körperliche Beschwerden oder Erkrankungen bei den Ärzten nur widerwillig vorgebracht werden. In medizinischen Fachzeitschriften wird darüber berichtet, dass Patienten auffallend häufig zu lange warteten, um ihre Beschwerden vorzutragen. Dadurch würde die Heilung oft unnötig erschwert. Genannt werden dabei die Hämoriden, Beschwerden mit der Prostata, und die verhältnismäßig leichten Symptome wie Juckreiz am Annus oder Blut im Stuhl.

Wie entstand dieses Bild in den Köpfen der Menschen? Warum überlebte dieses Tabu bis in die heutige Zeit hinein trotz aller Liberalisierungen, Aufklärung, und der vermeintlichen Revolution der 1968er Jahre? Trotz aller Aufklärung, die unsere moderne Gesellschaft für sich beansprucht, werden -wenn überhaupt- solche Themen wie das Gesäß nur verschleiert erörtert oder lieber möglichst verschwiegen.
Formuliere ich die Tabus einmal aus, so lauten sie wie folgt:

· Fasse den Po nicht an!
· Denke nicht über den Hintern nach!
· Spreche nicht in der Öffentlichkeit über den Podex!
· Sehe den Knackarsch nicht offensichtlich an!
· Schenke deinen Pobacken keine besondere Aufmerksamkeit!
· Berühre deinen Popo ja nicht in der Öffentlichkeit, wenn dir mal etwas daran juckt!

Doch wir alle wissen es dennoch besser: Wir fassen unseren Po an, wir denken darüber nach, wie wir den Hintern in Form bringen, wir sprechen über den Podex mit Freunden, in der Familie und mit Kollegen, wir schauen dem Knackarsch -meist nur heimlich- hinterher, wir massieren gerne die Pobacken des Partners und wir berühren unseren Popo natürlich, wenn er mal juckt, immer dann, wenn wir glauben unentdeckt zu sein. 😉

Also wissen wir es besser!? Warum also diese Handlungsweise, wozu brauchen wir dieses Vesteckspiel?

Der Soziologe Karl Otto Hondrich erstellte ein „Tabu-Prinzip“, das besagt, dass es in allen Gemeinschaften ein überlebenswichtiges „Verbergen“ von bestimmten Dingen gibt, die nicht benannt beziehungsweise kommuniziert werden sollen: „Gruppen und Gesellschaft könnten nicht bestehen, wenn alle ihre inneren Widersprüche und Übel sich offenbarten. Sie ausdrücklich zu ‚verbieten‘ würde nichts nützen, ja die Sache eher schlimmer machen. (…) Demgegenüber verhindert das ‚Tabu-Prinzip‘ mit seinen tiefen Gefühlen von Ekel und Abscheu, dass das Böse überhaupt benannt und berührt wird.“

Michel Foucault hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass es „keine Kultur auf der Welt (gibt), in der alles erlaubt ist“, und meint, „dass der Mensch nicht mit derFreiheit, sondern mit der Grenze und der Scheidelinie des Unübertretbaren beginnt“

Markieren Tabus also Grenzen des Handelns, Redens und Denkens? Sollen bestimmte Objekte wie der Hintern, nicht berührt beziehungsweise Handlungen an ihm nicht vollzogen werden? Warum wird er weitestgehend ausgeblendet im Umgang mit dem eigenen Körper?
Wenn man betrachtet, dass nicht in allen Kulturen der Hintern mit solch einem Tabu belegt ist, so treffen hier schon die Erkenntnisse von Sigmund Freud zu, die besagen, dass Tabus nur für jene sinnvoll erscheinen, die mit ihnen sozialisiert wurden.
Für Außenstehende erscheinen sie häufig unverständlich, nicht nachvollziehbar oder falsch und werden infolgedessen unabsichtlich gebrochen.
Michel Foucault geht noch einen Schritt weiter, in dem er über die bewusste Enttabuisierung referiert:

Tabus markieren Möglichkeiten der Überschreitung, wobei diese durchaus nützlich sein können, wie er am Beispiel der Sexualität im ausgehenden 18. und im 19. Jahrhundert festmacht, einer Zeit, in der Sexualität stark tabuisiert wurde, in der aber auf der anderen Seite die Sexualwissenschaft erst entstand. Sexualität und ihr Ausdruck in Zeitschriften, Artikeln, Büchern, erotischen und pornografischen Publikationen, in Beichtstühlen und intimen Geständnissen konnte so erst ausführlich kommuniziert werden.

Und was kann ich als Fazit meiner Betrachtung resümieren?

In einer Beziehung zwischen zwei Menschen werden manche Tatsachen, besonders gerne vom männlichen Geschlecht, aber auch von weiblicher Seite, totgeschwiegen. Das funktioniert. Ob das wünschenswert oder erstrebenswert ist, ist eines jeden Menschen eigene Ansicht. Ob man sich hier und da ein kleines Geheimnis bewahrt, oder ob man gerne alles teilt, liegt im Wesen des Menschen.

Übertragen auf die Tabus komme ich zum Entschluss, dass Tabus für mich nicht haltbar sind. Ich meine, wir sollten eine mehr wissenschaftliche Herangehensweise an den Tag legen, die offen einen Diskurs über jedes Thema führen kann! Für mich kann die Aufklärung gar nicht weit genug gehen, wenn es um Dinge, Zustände, Begriffe, Meinungen, Neigungen, Glauben, Verbote, Gebote oder Sichtweisen geht. Durchleuchten wir jedwede Verkrustung, und beachten dabei auch Grenzen, die zwar überschritten oder verschoben werden können, aber nicht übersehen oder ignoriert werden sollen.

WIE GERNE ICH DOCH EINEN WOHLGEFORMTEN HINTERN ANSEHE!

Die Tabus des Menschlichen, Teil 2 (103)

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Im zweiten Teil möchte ich der Frage nachgehen, wie die Menschen den vermeintlichen Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Tabu „Popo“ auf der einen Seite und der modischen Unterstreichung des Hinterns in körperbetonten Kleidungsstücken auf der anderen Seite leben. Wie ich bereits im ersten Teil erwähnte, sehe ich gerne einen wohlgeformten Hintern in einer dieser körperbetonenden Kleidungsstücke an!

Dabei fällt mir die Häufigkeit auf, mit der der Hintern derartig betont hervorgehoben wird, und das führt zu folgenden Kommentaren:

· Relativ viele Menschen definieren ihr Aussehen über die Betonung ihres Körpers.

· Eng anliegende Stoffe betonen und formen die Konturen der Körper in besonderem Maße· Relativ viele Menschen wissen um die Attraktivität ihres Körpers

· Relativ viele Menschen manipulieren die Form ihres Körpers (Body-Shaping: Bauch, Beine, Po-Übungen, Push-Up-Kleidung, hochhackiges Schuhwerk,…)

· Körperverschönerungen waren und sind in allen Kulturen und zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte Fakt

· Relativ viele Menschen betonen ihren wohlgeformten Hintern durch entsprechende Kleidung

· Eine allgemeingültige Aussage über die Intention der Betonung des Körpers lässt sich daraus nicht entnehmen

· Über die Wirkungsweise der Po-betonenden Kleidung auf andere Menschen ist sich der Mensch bewusst

· Verstärkt wird die Wirkung der Po-betonenden Kleidung noch durch die Bewegungen, den Gang des Menschen

Das ist also die modisch-verhaltensorientierte Seite beim Umgang mit dem Popo. Bei der gesellschaftlichen Umgangsweise mit dem Thema Hintern finde ich eine viel größere Zurückhaltung. Woher kommt dieser Unterschied? Vielleicht sollte ich dazu noch viel weiter ausholen und den Umgang mit anderen Tabus beleuchten. Dabei ist es interessant, schon mit dem Wort TABU zu beginnen, bevor ich mich mit den Bereichen des menschlichen Lebens beschäftige, in denen Tabus vorzufinden sind. In Wikipedia steht geschrieben:

„ … Tabu beruht auf einem stillschweigend praktizierten gesellschaftlichen Regelwerk, auf einer kulturell überformten Übereinkunft, die Verhalten auf elementare Weise gebietet oder verbietet . Tabus sind unhinterfragt, strikt, bedingungslos, sie sind universell und ubiquitär, sie sind mithin Bestandteil einer funktionierenden menschlichen Gesellschaft. Dabei bleiben Tabus als soziale Normen unausgesprochen oder werden allenfalls durch indirekte Thematisierung (z. B. Ironie ) oder beredtes Schweigen angedeutet: Insofern ist das mit Tabu Belegte jeglicher rationalen Begründung und Kritik entzogen. Gerade auf Grund ihres stillschweigenden, impliziten Charakters unterscheiden sich Tabus von den ausdrücklichen Verboten mit formalen Strafen aus dem Bereich kodifizierter Gesetze. Nahezu alle Lebewesen, Gegenstände oder Situationen, die ins menschliche Blickfeld rücken, können tabuisiert werden. Tabus können sich beziehen auf Wörter, Dinge (z. B. Nahrungstabu), Handlungen (z. B. Inzesttabu ), Konfliktpunkte/-themen, auf Pflanzen und Tiere, auf die Nutzung von Ressourcen (siehe Tapu ), auf einzelne Menschen oder soziale Gruppen.Die Begriffe ‚Tabu‘ und Political Correctness haben eine Schnittmenge; sie sind nicht leicht voneinander abzugrenzen.“

Zur Herkunft des Wortes:

„Der Begriff „Tabu“ stammt aus dem Sprachraum Polynesiens und ist aus dem Wort „ tapu“, abgeleitet. Tabu als Begriff fand Anfang des 20. Jahrhunderts weitgehend Eingang in die deutsche Sprache – und zwar sowohl als Adjektiv („etwas ist tabu“) als auch als Substantiv („etwas ist ein Tabu“). Als Eigenschaftswort bezeichnet tabu einen Zustand, der mit „unverletzlich“, „heilig“, „unberührbar“ beschrieben werden kann: Tabuisierte Dinge – so die religiöse Vorstellung der Polynesier – müssten streng gemieden werden, da sie gefährliche Kräfte besäßen. Auf den Tonga-Inseln bedeutet tabu oder tapu ursprünglich „unter Verbot stehend“,„nicht erlaubt“. In seinem heutigen Gebrauch heißt das Wort auf Tonga „heilig“, „geheiligt“, aber durchaus auch in dem Sinn von „eingeschränkt“ oder „durch Sitte und Gesetz geschützt“, Beispielsweise wird die Hauptinsel des Königreiches Tonga Tongatapu genannt, was hier eher „heiliger Süden“ bedeutet als „verbotener Süden“.

In diesem -noch nicht verifizierten- Artikel ist sehr anschaulich die gesellschaftliche Herangehensweise an das Thema „Tabu“ formuliert, so dass ich dies gleich aufgreifen und übertragen möchte:

Ist das Tabu des Hintern unhinterfragt, strikt, bedingungslos? Dass dies Tabu stillschweigend etabliert, aus praktiziertem gesellschaftlichen Regelwerk bestehend unseren Umgang miteinander reglementiert, steht für mich außer Frage. Ob das Tabu jeglicher rationalen Begründung und Kritik entzogen wird, das möchte ich erörtern. Danach sollte jeder selbst für sich entscheiden, in wie weit er diesem Tabu mehr oder weniger weit unterliegt. Weiter geht es im dritten Teil…

Gesicht und Körper (102)

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Differenzen entstehen bei einer Dissonanz in der Schönheit, wenn zwischen dem Körper und dem Gesicht sehr unterschiedliche Attraktivitäten zu finden sind. Zwangsläufig wählt der Mensch aus – zwischen einem schöneren Gesicht oder einem schönerem Körper, wenn nicht sowieso beides ansprechend auf ihn wirkt. Auf der einen Seite gibt es Menschen, denen ist der Ausdruck des Gesichts wichtiger, als die Form des Körpers. Auf der anderen Seite finden wir Menschen, für die der Körper des Partners die wichtigere Rolle spielt.

Sieht man sich die Paare an, die – Hand in Hand -über das Trottoir am Cafe La Point Saint Eustaches vorüber stolzieren, vielleicht über ein paar Stunden hinweg, so begegnet man mal den einen, mal den anderen Liebhabern. Wie verhält es sich bei den Menschen, wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir „lieber“ in ein ausdrucksstarkes Gesicht blicken, als einen wohlgeformten Körper zu erfassen. Gibt es dafür Erkenntnisse der Verhaltensforschung, speziell der Attraktivitätsforschung?

Im Zuge dessen sei die Frage gestellt, ob wir Menschen, wenn wir mit einem (Ehe-) Partner zusammen leben, und wir uns vorher zu irgendeinem Zeitpunkt genau diesen Menschen ausgesucht, erwählt haben, uns explizit bewusst war, was uns an diesem Menschen zuerst gefiel. Unbeachtet dessen, dass viel mehr als nur Aussehen bei der Auswahl eines Partners entscheidet, und Gesicht und Körper als eine Einheit betrachtet werden können, so blende ich das dennoch bei der Betrachtung hier kurz aus. Uns dürfte allen bewusst sein, dass unser Aussehen zu Beginn nur ein erster Reiz ist. Was in der Folge noch alles für Eigenschaften des Menschen von Bedeutung sind, das weiß jedermann. Allein unser Aussehen, nachdem es als Schlüsselreiz Wirkung zeigte, spielt im weiteren Verlauf unseres Kennenlernens immer wieder eine begleitende Rolle. Darüber habe ich bereits vorher geschrieben.

Hier im Beitrag möchte ich also der Frage nachgehen, ob es allgemeine Präferenzen gibt, für den Körper eines Partners oder für sein Gesicht. Wie sind wir Menschen entwickelt, was bedeutet uns mehr?

Hier eine beispielhafte Studie:

„Eine Untersuchung der University of Texas in Austin hat sich erstmals mit der Priorisierung zwischen Körper und Gesicht beschäftigt.
Für die Studie erhielten 375 Studenten Fotos eines potenziellen Geschlechtspartners. Gesicht und Körper waren vorerst abgedeckt. Der Abgebildete war entweder als Kandidat für eine längerfristige Beziehung oder für ein kurzes Verhältnis deklariert. Die Probanden mussten sich dann entscheiden, ob sie entweder die Figur oder das Gesicht sehen wollten. Nur 25 Prozent der Männer, die erfahren hatten, dass das Foto eine mögliche langfristige Partnerin zeigte, sahen sich die Figur an. Von denjenigen, die auf eine Affäre aus waren, interessierten sich dagegen 51 Prozent für den Körperbau. Figur signalisiert Fruchtbarkeit.

Die US-Wissenschaftler interpretieren das Ergebnis folgendermaßen: Männer, die nach einer kurzfristigen Beziehung Ausschau halten, interessieren sich mehr für den Körper einer Frau. Sucht ein Mann nach etwas Dauerhaftem, dann interessiert ihn das Gesicht mehr. Die Figur einer Frau liefert Anhaltspunkte über ihre aktuelle Fruchtbarkeit. Ihr Gesicht dagegen informiert über ihre langfristige Fähigkeit, Kinder zu empfangen und aufzuziehen. Entsprechend lassen die neuen Erkenntnisse vermuten, dass Männer auf der Suche nach einem sexuellen Abenteuer psychologische Gründe haben, einen Partner zu suchen, der aktuell fruchtbar ist und schnell Nachkommen produzieren kann. Frauen zeigten bei der Wahl von Kurzzeit- oder Langzeitpartnern keine auffälligen Prioritäten in Bezug auf Körper oder Gesicht. Die Studie ist im Fachmagazin „Evolution and Human Behaviour“ veröffentlicht.“

Danach scheint das Gesicht den meisten Menschen wichtiger zu sein, als der Körper. In Umfragen unter Studenten wurde ebenso viel häufiger das Gesicht als das entscheidende Merkmal in Hinsicht auf die Attraktivität genannt, als der Körper, allerdings wurde sehr häufig in der freien Befragung der Nachtrag laut -wenn der andere nicht gerade „sehr dick“ wäre.

Dieser Hinweis kann durchaus als Indiz dafür gewertet werden, dass dem Körper primär doch eine wichtigere Bedeutung beigemessen wird. Diese drückt sich dergestalt aus, als der Partner beim ersten Treffen schon von weiterer Entfernung aus die Gestalt, also den Körper seines Gegenüber erkennen kann, oft weit vorher, bevor er das Gesicht wahrnimmt. Daraus kann man zumindest herleiten, dass ein bestimmter Grad an Attraktivität für den Körper vorhanden sein muss, damit es zu Schritt zwei kommt, nämlich das Gesicht zu „begutachten“.

Ich finde keine einfache, pauschale Antwort auf diese Frage. Ich bin davon überzeugt, dass sich der Mensch im Laufe einer bestimmten Zeitspanne an ein Gesicht gewöhnt. Ich möchte nicht damit gleichzeitig sagen, dass es egal wäre, wie das Gesicht aussieht, doch ich tendiere zu der Erkenntnis, dass sich der Mensch eher an ein Gesicht gewöhnt, als an einen Körper. Untersuchungen dazu wären spannend!

Vielleicht kommt es daher, dass das Gesicht verbunden mit unserem Wesen in der Lage ist, in jeder tausendstel Sekunde Emotionen aller Art zu kommunizieren, dass unser Gesicht Dreh und Angelpunkt unseres zwischenmenschlichen Austausches ist. Neben den Worten ist unsere Gestik und Mimik zusätzlich eine Sprache, die unsere Augen, unsere Gefühle, unser Instinkt in Bruchteilen von Sekunden schon verstanden hat, bevor unser -im Verhältnis dazu träger- Geist von einer Nachricht überhaupt Wind bekommen hat.

In diesem Zusammenhang ist auch die Körpersprache zu beachten, die in Verbindung mit unserem Gesichtsausdruck zu einer überaus deutlichen Aussage fähig wäre, wenn unser gegenüber diese Sprache denn noch bewusster verstehen könnte. Das ist nur selten der Fall, meist erreichen uns diese Signale nur unbewusst. Wir reagieren nur deswegen folgerichtig darauf, weil wir die eigene Empfindung darüber viel eher verstehen und so  -zum Teil wieder unbewusst- reflektieren können.

Ist also das Tor zu unserer Seele, wie unsere Augen auch genannt werden, der entscheidende Faktor, wenn es um die Beurteilung der Attraktivität geht? Ist der Körper -oder seine Form- dabei nur eine Zugabe, dessen Qualität zwar die Gesamtheit der Person stark beeinflusst, nicht jedoch über die Wirkung des Gesichts zu stellen ist? Ich bin da nicht so sicher, denn die grundlegend stimmigen Formen des Körpers sollten gegeben sein, wenn es eine Zukunft in der Beziehung zwischen zwei Menschen geben soll. Das lässt sich bei aller Wichtigkeit des Gesichtes im Zuge der Erhebungen ermitteln.

Kann Fotografie Kunst sein? (101)

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Kann Fotografie Kunst sein?

Ist diese Frage schon gewagt? Höre ich sogleich Aufschreie aus der einen Richtung, deren Tenor aus dem Wort JA zeitgleich eine Reihe von Fotografen aufzählt, deren Bilder für eine immense Summe von Geld den Inhaber wechselten. Und das kann doch nur Kunst sein, was für so viel Geld gehandelt wird, oder?
Aus der anderen Richtung kommt mir ein nicht weniger heftiger Schwall von Worten entgegen, die diese Frage deutlich verneinen, denn schließlich ist es schon etwas anderes, ob ein Künstler gekonnt mit Farben, Pinsel und Leinwand ein Werk erschafft, oder ob jemand nur ein paar Schalter, Rädchen oder Tasten bedient, und nur noch auslösend ein Abbild der schnöden Wirklichkeit in Form eines lapidaren Fotos als sein Werk bezeichnet.

Vertreter beide Seiten, und all derer, die noch unschlüssig sind, bemühen allerlei Definitionen der Kunst, um für ihre Seite Begründungen zu formulieren und Fakten beizubringen, die die Waagschale zu ihren Gunsten verändern sollen. Und all die, denen diese Definitionen und Fakten nicht weiterhelfen gehen von ihrer eigenen Vorstellung aus, von ihren eigenen Gefühlen.

Provokativ möchte ich die Tatsache zur Diskussion stellen, warum ein (bearbeitetes) Foto von Andreas Gurski, „Rhein II“, auf dem Kunstmarkt einen Verkaufswert von über 4,3 Millionen Dollar erzielt hat. Zu sehen ist der Niederrhein, beide Ufer, ein Weg, einige Bäume wurden wohl wegretuschiert. Ein Motiv, dass jeder sehen kann, der sich an den Rhein stellt. Da ich am Rhein aufwuchs, habe auch ich dieses Motiv in abgewandelter Form vielleicht tausendfach wahrgenommen.

Wie jeder fotografierende Mensch, der an einem großen Fluss lebt, habe auch ich viele Aufnahmen von Gevatter Rhein erstellt. Doch keine, wie Andreas Gurski sie erschaffen hat. Reduziert auf das Wesentliche, befreit von schnödem Beiwerk wie Bäume, Sträucher, Menschen oder Schiffe strahlt sein Bild eine Dynamik der Ruhe aus. Der Fluss fließt wie gewohnt seinen Lauf, und doch vermittelt diese Ansicht auch durch die Aufteilung der Horizontalen eine für mich Gefühle Statik. Mann weiß, der Fluss fließt mit nicht langsamer Geschwindigkeit dahin und dennoch gibt dieses Bild mir ein Gefühl von beständiger Ewigkeit und unerschütterlicher Motion.

Doch sei einmal dahingestellt, was dieses Bild für jeden von uns für eine Bildaussage bereit hält, was ist an diesem Bild Kunst? Ist es genau diese Bildaussage, die solch ein Foto zum Kunstwerk macht? Ist es die Kraft, die Wucht, mit der es auf einen jeden von uns aufschlägt? Wie verhält es sich denn mit dem Motiv? Wurde der Rhein nicht schon abermillionen mal abgelichtet? Auch auf Ausstellungen war er schon häufig das Thema. Was haben all die anderen Fotografien des Rheins an Aussagekraft? Worin unterscheiden sich all die Aufnahmen grundlegend? Ich möchte nicht ernsthaft Bilder des Rheins miteinander vergleichen, doch ich möchte getreu der Eingangsfrage weiter danach suchen, welche Indizien und Ursachen ich dafür oder dagegen finde, Fotografie als Kunst zu bezeichnen und deswegen sei sie Frage erlaubt, was macht ein Bild von Rhein zu Kunst!

Ist es vielleicht nur eine Angelegenheit von Angebot und Nachfrage? Auf der einen Seite gibt es den Fotografen, der seine Arbeit, sein Kunstwerk zur Verfügung stellt und auf der anderen Seite ist der Liebhaber des Kunstwerks, gleich dabei, ob es sich um Skulptur, Gemälde, Zeichnung oder auch eine Fotografie handelt. Ist da noch die Schwierigkeit, Künstler und Kunstliebhaber zusammen zu führen. Nicht jeder ist in Lage, sein Foto bei Christie’s unter den Hammer bringen, dazu wären es wohl zu viele Aufnahmen, die auf einen Liebhaber warten, wenn man im Word Wide Web nach Fotos Ausschau hält.

Auf den verschiedenen Plattformen finden sich unzählige Fotos, die darauf warten, entdeckt zu werden. Ebenso stellen viele Fotografen ihre Ergebnisse auf einer Homepage der Öffentlichkeit zur Verfügung. Dieser Pool ist nahezu unerschöpflich aber über dessen Qualität möchte ich mich an dieser Stelle nicht äußern. Die Mischung aus Milliarden von Handyfotos, zufällig geknipsten Bildern der Kompakten über die etwas gezielteren Fotos aus DSLR bis hin zu oft durchdachten Fotografien aus dem Bereich der Mittelformat-Kameras. Auch wenn in dieser Aufzählung eine leichte Wertigkeit impliziert ist, möchte ich die Ergebnisse nicht am Werkzeug messen, im Gegenteil: ein begnadeter Sehender wird das Motiv mit ganz gleich welcher Art von Kamera hervorheben.

Und die Frage nach Kunst? Liegt sie im Auge des Betrachters. Was steuert die Fähigkeit, virtuos mit seinem Werkzeug umgehen zu können, dazu bei, ein fotografisches Kunstwerk zu erschaffen? Habe ich die Fertigkeit, meine Fotos nach zu bearbeiten? Ist es überhaupt notwendig? Wie gut ist mein Werkzeug? Alles Fragen, deren Antworten zu der Frage nach einem Kunstwerk beisteuern. Vielleicht kommt man mit der Prämisse tatsächlich weiter, die da besagt, dass für Kunst ein Markt vorhanden sein muss. Wie viele Maler sind verhungert, deren Bilder heute sehr hoch im Wert stehen? Wieder andere Maler, die sich gutbetuchten Adeligen oder Kaufleuten gegenüber sahen hatten das Problem nicht. Ihr Auftragswerke wurden meist sogleich großzügig entlohnt.

Heutzutage liegt der Fall völlig anders. Neben wenigen, sehr wenigen Fotografen, deren Werke als Kunst bezeichnet werden, deren Broterwerb jedoch in erster Linie in der Durchführung von Auftragsarbeiten verankert ist, gibt es eine unendliche Anzahl von Urhebern, deren Produkte mehr aus Zeitvertreib, Hobby oder Passion in der Öffentlichkeit des WWW verbreitet werden. Kaum einer derer ist auf den Verkauf seiner „Werke“ angewiesen.

Innerhalb dieser überbordenden Masse von Fotos finden sich unbestritten immer wieder besondere Perlen, die er erreichen könnten, bei einer entsprechenden Vermarktung durchaus in den Kreis bemerkenswerter Kunst aufgenommen zu werden. Allein wenigen gelingt es, und manche gehen leider unter in der Masse. Vielleicht sollten dafür die Wege noch deutlicher aufgezeigt werden, wie dies erreicht werden kann, und die Menschen sollten echten Zuspruch erhalten, ermuntert werden, ihre Fotografien an entsprechender Stelle zu etablieren.

So lässt sich die Frage, ob Fotografie nun Kunst sei, nicht pauschal beantworten, denn ob ich eine Fettecke von Herrn Beuys, ein paar Linien von Herrn Kandinski, einen Statue von Frau Claudel, ein Foto von Herrn Salgado oder ein Foto von Frau X als Kunst erkenne liegt bei mir selbst und meiner eigenen Definition von Kunstwerk.

Super Skinny Jeans (100)

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Was macht frau oder man nur mit dem Handy, wenn sie oder er keine Handtasche, Bag, Jacke, Mantel, Tasche mit oder an hat, aber das Handy nicht die ganze Zeit in der Hand halten will? Oder manchmal auch das Portemonnaie! Da bietet sich folgerichtig eine Tasche an, die fast immer dabei ist, die Gesäßtasche, oder?

Ich möchte hier und jetzt für all die jenigen eine Lanze brechen, die das Telefon oder die Geldbörse in der Hand halten und NICHT in die Gesäßtasche pressen.

Über Formen und Aussehen habe ich hier schon einiges geschrieben, daher wird der aufmerksame Leser sich schon fast denken können, was ich dazu wohl empfehle! Warum kaufe ich solch eine enge Jeans, suche sie zuvor in straparziöser, zeitraubender Weise aus, mit dem immerwährenden Ziel, eine gute Figur darin abzugeben, wenn ich dann -zumindest an der Stelle des Hinterns- alles zunichte damit mache. Ich trage mit dem Mobiltelefon eine eckige Beule an meinem Po zur Schau, die prinzipiell nur noch durch ein Portemonnaie übersteigert werden könnte, oder ich trage gar die Geldbörse auf der anderen Seite.

Nicht nur die Bewegungen erfahren dadurch eine Disharmonie, auch im Stillstand erleidet die so ausgeklügelt durchdachte Form der beispielsweise 501 Schiffbruch. Es wird auch nicht besser, wenn der Verursacher der Verformung halb herausschaut und seinen Stall preisgibt, weil der Besitzer sich mit seinem Besitz von der Masse der Phone-User abzuheben meint.

Doch weit gefehlt, denn ob ei-n Phone von der einen Firma oder eins aus der anderen Galaxis, unterscheiden werden sich die Besitzer mehr durch den Inhalt des Wortschwalls, der durch sie hindurch posaunt wird, in der Gesäßtasche jedoch führen sie alle in ein Dasein als Stil-Bruch-Ikone!

Alles in allem ist es natürlich kein Weltuntergang oder Beinbruch, es ist nur meine Meinung zu den Gepflogenheiten der Zeit, insbesondere als ein Zeichen der Attraktivität und Schönheit, unserer Wirkung unseres Aussehens, und all dem, was wir bereit sind, dafür zu tun. Und das ist eine ganze Menge!