Nach der Passion (92)

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Wann endet die Leidenschaft für das Fotografieren? Erreichen wir irgendwann einen Punkt, an dem wir durch eine Art von Sättigung an dem Thema Fotografie oder an einem seiner thematischen Ausläufer alles bisherige als abgeschlossen betrachten, vielleicht sogar in Frage stellen? Was kommt nach dem Thema Fotografie, unserer lang gehegten Passion? Begleitet uns unsere Kamera ein Leben lang?

Was geschieht mit den vielen Bildern, von denen wir manche, wenn nicht gar die große Mehrzahl nur ein einziges mal betrachtet hatten.

Endet eine solche Passion vielleicht doch nicht, bleiben wir visuellen Menschen, wir Seh-Menschen diesem Genre treu? Werden wir uns immer wieder mit unserer Kamera im Gepäck aufmachen, ins Getümmel schmeissen, einsame Orte aufsuchen, um die besonderen Momente zu erfassen, die Dinge festzuhalten und ganz subjektiv Motive aus unserer Sichtweise komponieren? Bauen wir damit unsere Erfahrungen immer weiter aus, nutzen das erlangte Wissen, um unsere Fertigkeiten stetig auszubauen, zu verfeinern, zu festigen?

Seit 1978 folge ich dem Weg der Fotografie. Vieles veränderte sich im Laufe der Jahre. Immer weiter entwickelte ich mein Wissen, durch besuchte Seminare, verschlungene Bücher und endlos fotografierte Motive. Da ich nicht beruflich als Fotograf tätig war und bin, ergaben sich mal Zeiten, in denen ich mehr Zeit für diese Ambitionen erübrigen konnte, aber genau so wurde die Zeit hin und wieder so knapp, dass ich vielen anderen “Dingen“ den Vorzug gab. Doch auch, wenn die Fotografie dann und wann in den Hintergrund trat, so geschah es immer nur für eine recht kurze Zeitspanne.

Studiert man die Lebensläufe bekannter und anerkannter Fotografen, so kommt man nach der obrigen Fragestellung zu dem Schluss, dass es wahrscheinlicher ist, man bleibt ein Leben lang der Fotografie treu.

Nach diesen müßig anmutenden Gedanken komme ich für den Moment zu dem Eindruck, dass es, wie in der Fotografie, im Leben oft auf den Augenblick der Auslösung ankommt. Frei nach der Devise „ Tue es!“ und zögere nicht ewig lange mit Battalionen von Zweifeln, Wenns und Abers. So entsteht vielleicht nicht die Frage nach dem Danach, sondern einzig und allein kommt es auf die Gegenwart an, die einem weist, zu fotografieren, wenn dir danach ist, wenn Du die Passion in Dir fühlst. Aufbrechen, nicht sitzen bleiben, Wirken, nicht regungslos dem Konsum verfallen. Und wirklich, selbst die weiteste Reise beginnt mit einem ersten kleinen Schritt, nicht mit erst noch einer kleinen Pause auf dem Sofa. Veränderungen mögen im Geiste, im Sinn entstehen, sie nehmen aber nur dann Gestalt an, wenn sie artikuliert werden und eine Wirkung erzielt man gemein nur ursächlich, durch Handlung, seltenst durch Unterlassung.

So schreiten wir zu den immer schon dagewesenen Motiven, welche, schon tausendfach abgelichtet, für uns selbst aber ein Stück weit Neuland scheinen. Wohlwissend, dass es dieses Bild im World-Wide-Web in irgend einer Form schon geben wird. Die Fotografie von Menschen ist dahingehend anders, als mit jedem neu geborenen Menschenkind ein nie dagewesenes Motiv entstanden ist. Und damit ist noch lange nicht das Ende der Vielfalt der Motive erreicht, denn selbst ein noch so häufig fotografiertes Motiv kann durch die zweifelsohne subjektive Sicht des nächsten Fotografierenden um die Nuance erweitert oder verändert werden, das Bild so zu einem Klassiker der Fotografie werden zu lassen.

Hören wir nicht auf, werden wir nicht müde, die Kamera mitzuschleppen, um im vielleicht nächsten Augenblick unser eigenes Foto der Woche, Foto des Monats, Foto des Jahres oder des Jahrhunderts 😉 in den Kasten zu kriegen.

Bleibt nur festzustellen, nicht aufzuhören, nach dem Besonderen zu suchen, in Neuem wie in Altem, in Bekanntem wie in Unbekanntem.

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