Von der Liebe zu den Fotografien (83)

burgos jeans hintern   Mies Vandenbergh Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Von der Liebe zu den Bildern und die Bedenken über ihren Stillstand.

   Fotografien bedeuten mir viel. Ich sehe sie gerne an und erfreue mich daran. Sie stellen für mich ein wundervolles Zeitzeugnis sonder gleichen dar. Es ist, als würde man den Blick einen Moment länger fest halten können. Vermischt es sich mit der trügerischen Gewissheit, der Blick könne in dieser Form eine wirkliche Ewigkeit Bestand haben, so wird man enttäuscht. Denn die so schöne Wirklichkeit folgt unbeirrt ihrem gleichmäßigen Gang der Dinge, was bleibt ist das Bild des Gewesenen.

   Betrachte ich eben noch die frühen Fotografien einer unbändigen, jugendlichen und lasziven Brigitte Bardot, und begegne ihr daraufhin heute auf dem Montmartre, so sehe ich nicht mehr den jugendlichen Anschein in ihr, sondern eine älter gewordene Grande Dame mit ihrer immer größer gewordenen Ausstrahlung, die viel mehr als die äußerlichen Werte der Jugend des Menschen Seele bedeuten.

   Fotos sind anders gemeint. Nur ein klein wenig länger erhalten sie den flüchtigen Augenblick. Gaukeln dir vor, einen vermeintlichen Stillstand der Zeit zu ermöglichen.
Glauben wir tatsächlich nach der Belichtung einer beliebigen Szenerie alle Zeit der Welt zu besitzen, diese Szene, diesen Moment des Lebens, das Bild davon anzusehen? Ja, können wir, noch nach Jahren das Bild anschauen und uns des Moments seiner Entstehung erinnern. Der längst vergangene Augenblick kommt uns ins Gedächtnis. Ich nutze das Bildnis als geistige Brücke, mich der Momente zu erinnern, die ohne das Bild in den Wirren der Zeit verschüttet geblieben wären.

   Ich kann das Bild vielen Menschen zugänglich machen, in einer Ausstellung, in einer Publikation oder sonst wie. Das Motiv kann daraufhin von jedem Betrachter so interpretiert werden, wie er oder sie es auffasst. Erregt das Foto vielleicht Bewunderung oder Entsetzen, Staunen oder Abscheu? Die Grenzen zwischen dem Fotografen und seinem Motiv verschmelzen während der kritischen Auseinandersetzung immer wieder. „Was sehe ich hier, und warum ist es dokumentiert? Wer hat es gesehen, wer hat es fotografiert und wer zeigt es hier? Was will der Fotograf mit seinen Bildern sagen, was will er zeigen? Warum das Motiv?“ Ein Betrachter könnte sich fragen, warum sehe ich es mir denn an, und gehe nicht vorrüber.

Das Bild kann archiviert werden, für spätere Zeiten oder für ganz späte Zeiten.

   Ich bin in der Lage ein abgelichtetes Motiv anzusehen, es viel länger zu betrachten, als es im Leben, im schnelllebigen Dahingleiten unserer Zeiten möglich wäre. Sehr viel deutlicher bleibt mir der eingefrorene Moment vor Augen, als im bewegen Bild, oder den laufenden Bildern eines Videos. Ich stehe da, denke: „Ja, so sah es aus, so war’s!“ Und manchmal kann diese Bemerkung auch in Frageform daherkommen: „So war’s?“

   Wenn man von Tiefe in der Malerei spricht, so lässt sich das -meiner Meinung nach- auf die Kunst der Fotografie übertragen. Ein Foto kann die Tiefe eines Gemäldes haben, ganz gleich, ob es komponiert oder als Schnappschuss ergattert wurde. Aussagekraft ist das passende Wort! Dramatik und Spannung, Ruhe und Ausgeglichenheit, Schönheit und Faszination, Elend und Abscheu können der Kern einer Fotografie sein. Das kann als Aussage beabsichtigt sein, oder das, was der Betrachter im Foto erkennt.

   Entscheidend dabei ist für mich als Fotograf die Intention des Bildes. Die Herangehensweise des Betrachters unter Berücksichtigung seiner eigenen Vorstellungen und Ideen halte ich für wichtig im Nachhinein, das Werk jedoch und sein Ausführender ist vorher gefragt. Denn der Ausführende sah den Augenblick in seiner höchst eigenen Wahrheit. In ihm entstand -oft noch vor der Fotografie- die Idee zur Fotografie. Danach handelnd, ganz gleich, ob in der Ausführung mehr laienhaft oder auch professionell, verwirklicht er die Realität in Form seiner Ablichtung, so, wie sie sich für ihn oder sie dargestellt hat.

   Fotografien sind für mich, wie für viele weitere Menschen auch, ein Medium, um die Welt ein bisschen besser zu erkennen und sich an ihrer Vielfalt zu erfreuen. Es liegt vielleicht auch in der Natur des Menschen die Besonderheiten unserer Lebensräume bildlich festzuhalten, ganz gleich ob in Form von Höhlenmalereien, Aquarellen oder digitalen Dateien, immer mit dem Wissen der letztendlich doch flüchtigen Anwesenheit auf unserem wundervollen Planeten.

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4 Gedanken zu “Von der Liebe zu den Fotografien (83)

  1. Nice reading about you

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