Sie her, wie hässlich ich bin! (82)

scal jeans hintern    Mies Vandenbergh Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Wie verhalte ich mich bei einem Kontakt zu einem Menschen, wenn ich glaube, ich bin mit einem Makel, welcher Art auch immer, gezeichnet?

   Inbegriff dafür kann mangelndes Selbstbewusstsein sein, fehlendes Selbstvertrauen oder nicht erlangte Selbstsicherheit. Die äussere Art eines Mangels kann ein offensichtliches Merkmal wie eine Narbe im Gesicht sein, ein zu hohes Körpergewicht oder abweichende Körperproportionen. Während die Narbe ein explizites Merkmal darstellt, so sind die Abweichungen beim Körpergewicht oder in der Körperform abhängig von einer Norm, die im Vorfeld von einer Instanz (Gesellschaft, Mode, Medien) relativ willkürlich festgelegt worden sein muss.

   In einer Erhebung aus den 1990er Jahren bewies ein interessantes Experiment den Einfluss eines offensichtlichen Mangels auf unser Sozialverhalten. Probanden wurde eine deutlich sichtbare Narbe in das Gesicht geschminkt. Mit dieser Narbe sollten sie sich in ein Gespräch mit einer unbekannten Person begeben, und im nachhinein bewerten, in wie fern dieser ihr Makel beachten würde. (verbal oder nonverbal) Die Versuchsperson sollte die Narbe vor dem Gespräch noch mal im Spiegel kontrollieren, und danach wurde sie mit der fadenscheinigen Begründung der Feuchtigkeits-Haltbarmachung tatsächlich aber entfernt.

Als Ergebnis kam heraus, dass über 70% der Probanden eindeutige Reaktionen auf die Narbe feststellten, die ja gar nicht vorhanden war. Eine Kontrollgruppe sollte in den Aufzeichnungen dieser Gespräche nach Hinweisen auf einen Makel bei einer der Gesprächsteilnehmer suchen. Diese fanden erwartungsgemäß keine!

   Als Fazit daraus stelle ich folgenden Gedanken auf. Wenn wir Menschen glauben mit irgend einem Makel behaftet zu sein, und mit dem Wissen über diesen Zustand in eine Phase des Kennenlernens kommen, gegen welche Gefühle und Befürchtungen müssen wir uns behaupten, noch bevor wir überhaupt die Freiheit nutzen können uns so zu zeigen wie wir wirklich sind und nicht zu sein befürchten.

   Da wir alle mit einem mehr oder minder sichtbaren Makel ausgestattet sind, wäre es doch an der Zeit, die Aufklärung dahingehend zu treiben, diesen nicht über Gebühr in den gedanklichen Vordergrund zu rücken, sondern uns freigeistig zu entfalten.

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