Hochmut und Einbildung (79)

fall jeans hintern Mies Vandenbergh Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Einbildung ist auch keine Bildung. Sind schöne Menschen eingebildet? Sind schöne Menschen öfter eingebildet als weniger schöne Menschen? Was bedeutet es, wenn jemand als eingebildet betitelt wird?

   Ein Thema, das vornehmlich in meiner Jugend immer wieder zu äußerst angeregten Diskussionen führte. Phänomen war damals, dass diese Diskussionen viel mehr unter uns Jungs zum Thema wurden. War nun das eine hübsche Mädchen eingebildet oder nicht. Oder nur für bestimmte Jungs, und für andere war sie nett und aufgeschlossen? Um einer Erklärung ein wenig vorzugreifen frage ich, ob es nur so schien, weil sich das hübsche Mädchen doch nur der Zuneigungsbekundungen der Jungs erwehren wollte? Oder war sie so hübsch, wusste darum, und wähnte sich den Anderen gegenüber als etwas Besseres? Und heute?

   Mitmenschen und Freunde in unserem Alter schenken diesem Thema keine besondere Aufmerksamkeit. Sind Menschen in den 40ern weniger eingebildeten Personen ausgesetzt, als jüngere Leute? Bezeichnen wir vielleicht eingebildete Personen mit anderen Adjektiven? Zum Beispiel als abgehoben, hochnäsig, unnahbar,…?

   Wer als eingebildet eingeschätzt wird, der zeichnet sich durch bestimmte Verhaltensweisen aus, die gerade zu dieser Einschätzung hinführen. Für die meisten Menschen sind diese Bewertungen gleichermaßen gültig, vorausgesetzt, dass der Kulturkreis identisch ist. Die Frage aber stellt sich mir immer wieder, ob diese Verhaltensweisen wirklich auf eine Einbildung deuten, oder ob sie nicht viel mehr ein Zeugnis von Unsicherheit sind! Nur ging es mir oftmals im Leben so, dass sich die vermeintlich eingebildete Person während des näheren Kennenlernens gar nicht mehr als so hochgradig eingebildet erwies, sondern als unsicher und nicht so selbstbewusst, wie unterstellt worden war.

   Unsicherheit deswegen, weil vielleicht hübsche Menschen überproportional häufig wegen ihres Aussehens gelobt werden, viel weniger wegen besonderer Leistungen oder besonderer Verhaltensweisen. Das diese Fürsprache nicht gerade zum positiven Selbstbild und gesundem Selbstbewusstsein führt, dass dürfe jedem verständlich sein, weil das Aussehen etwas ist, für das der Mensch gerade in Jugendzeiten nicht viel tun muss. Er oder sie ist einfach schön, hübsch, gutaussehend oder gar süß und niedlich! Im Gegensatz dazu sind geleistete Dinge, die ein Lob hervorbringen, eine Tat, die man bewusst vollbracht hat, der eine eigene Leistung zu Grunde liegt, für die man sich anstrengen musste. Schönheit hingegen hat man, besonders aber die Frau, zum jetzigen Zeitpunkt in der westlich geprägten Gesellschaft mehr, als der Mann! Das Gefühl „Bin ich schön, aber sonst nichts wert!?“ stellt die Hürde dar, sie für attraktive Menschen höher ist, als für durchschnittlich attraktive oder unterdurchschnittlich attraktive Menschen.

   Folge ich dieser Argumentation ein Stück weit, dann relativiert sich die Einbildung hübscher Menschen auf ihr Aussehen maßgeblich. Es fällt danach etwas leichter, eine vermutete Einbildung zu hinterfragen und offener auf diese Personen zuzugehen. Das erscheint mir auch gerechter zu sein.

   Nach alledem möchte ich natürlich nicht unterschlagen, dass es sie wirklich gibt, die Eingebildeten, die im Glauben und mit der festen Überzeugung leben, ihre Schönheit wäre der Beweis für ihre Herrlichkeit. Treffe ich auf solche gottgleichen Geschöpfe, bin angetan von ihrem Äußeren und frage entweder mit Worten (seltener) oder mit hoch gehaltener Kamera und leicht angeschrägter Kopfhaltung nach einem Foto, so sehen sie meist in einer bogenförmigen Bewegung nach oben hin weg, ja übersehen geradezu ihre Umwelt, nicht aber ohne ein selbstgefälliges Lächeln auf den hübschen Lippen.

   Als Steigerung der Einbildung möchte ich die Arroganz bezeichnen, bei der die der Einbildung zu Grunde liegende Überbewertung des eigenen Wesens noch die herabwürdigende Behandlung der Mitmenschen hinzu kommt. Während diesen arroganten Menschen Wesenszüge wie z.B. gutmütig, kooperativ, rücksichtsvoll, altruistisch oder feinfühlig abgesprochen werden, so werden nicht arroganten Personen diese Faktoren zugeschrieben, ohne dass diese ein Zeugnis dafür ablegen konnten. So hat es der arrogant wirkende Mensch noch viel schwerer zu belegen, dass ihm oder ihr diese sozial erforderlichen und begehrten Attribute nicht verschüttet liegen.

   Bei Arroganz von unbewussten Verhalten zu sprechen halte ich für zu gewagt. Ein gesellschaftliches Feedback trifft bei jedem Kontakt zum anderen Menschen den Absender. Ausser bei emotional unempfänglichen Wesen kommt es stets dazu, anhand der Art und Weise dieses Feedbacks zu erkennen, dass ein Störfaktor im zwischenmenschlichen Kontakt besteht. Den bei sich zu suchen misslingt den arroganten Menschen. So finden sie -wenn überhaupt- nur unter Gleichgesinnten eine Resonanz, die ihnen ihre Verhaltensweise reflektiert.

   Vielleicht wird die Einbildung dann geheilt, wenn das Wertbewusstsein des schönen Menschen sich ein Stück weit von seinem Aussehen löst, und er feststellt, dass es weit mehr braucht, als einen schlanken Körper, wunderschöne Augen, oder einen wohlgeformten Hintern!😉

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