Kompromisse (77)

boot jeans hintern Mies Vandenbergh Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Zusammenleben erfordert immer auch ein gewisses Maß an Kompromissbereitschaft. Wie weit diese Bereitschaft gehen kann, das liegt an vielen Faktoren. Eine Auswahl davon ist:

1. Persönlichkeiten
2. soziale Statuten
3. gesellschaftliche Normen
4. …

Zu den Persönlichkeiten:
manch einer ist kompromissbereiter als ein anderer. Begründet liegt das in den persönlichen Erlebnissen, den Erfahrungen im Leben, in den eigenen Ideen von einer funktionierenden Gesellschaft und der emotionalen und geistigen Reife. Uneinsichtigkeit und Unwissenheit führen zu zahlreichen Differenzen innerhalb einer -wie auch immer gearteten- Beziehung zu einem anderen Individuum. Kompromiss bedeutet immer auch ein Verständnis dessen, was der andere denkt und fühlt. Insbesondere unsere Kenntnis über die Ursachen ihrer oder seiner Beweggründe führt dazu, sich in den anderen soweit hineinzuversetzen zu können, den Kompromiss bewusst und mit Überzeugung eingehen zu können.

Zu den sozialen Statuten:
Kompromisse werden immer dann eingegangen, wenn auf beiden Seiten dem jeweils anderen ein Zugeständnis gemacht werden wird, während die Verhandlungen auf entweder gleicher sozialer oder auf gleicher gesellschaftlicher Ebene stattfinden. Auch wenn es auf privater Ebene um die Erreichung eines gemeinsam angestrebten Zieles geht, kommt es immer wieder zu Kompromissen.

Beispiele:
Ein Verantwortlicher erteilt einen Auftrag, der vom Auftragnehmer ausgeführt werden muss. Er kann sich eine Ablehnung des Auftrages nicht erlauben. ==» kein Kompromiss. Seine Überlegung kann nur sein: erfülle ich den Auftrag oder verlasse ich die Lage als Auftragnehmer mit allen dazugehörigen Konsequenzen. (Ein Chef weist an, ein Angestellter führt aus oder kündigt.)

Ein Partner möchte ein persönliches Ziel erreichen, welches nicht mit den gemeinsamen Zielen korreliert. Dies führt zu Differenzen und es wird darüber gesprochen. Sind beide weiter an der Erreichung der gemeinsamen Ziele ihrer Partnerschaft interessiert, so besteht die Notwendigkeit des Kompromisses. Steht das Teilziel des einen Partners im Widerspruch zum gemeinsamen Hauptziel, so bleibt abzuwägen, ob es sich nur um eine akzeptable Verzögerung handelt oder um einen Weg in eine gänzlich andere Richtung. Ein Kompromiss kann nur dann funktionieren, wenn die Übereinkunft vom Sinn und Zweck der Partnerschaft nicht unterlaufen, verletzt oder ad absurdum geführt wird.

Richten zwei Menschen gemeinsam eine Wohnung für eine gemeinsame Zukunft ein, werden die Geschmäcker so gut wie niemals identische Vorlieben hervorrufen. Jedem gefällt etwas anderes besser, doch für die Gemeinsamkeit gibt jeder dem anderen Raum zur persönlichen Entfaltung und geht -nicht nur einen- Kompromiss ein.

Zu den gesellschaftlichen Normen:
dabei überträgt -meines Erachtens nach- die Außenwirkung den Inhalt eines Kompromisses auf die Gemeinschaft. Hier gehen wir Menschen die meisten Kompromisse ein. Sie sind zwar in erster Hinsicht nicht besonders tiefgreifend, jedoch durch ihre immense Anzahl allein haben sie einen entscheidenden Einfluss auf unser Leben. Bei einer folgenden, kleinen Auswahl möchte ich nicht auf die krankhaften Auswüchse dekadenter und krankhafter Zeitgenossen eingehen, auch nicht auf die vielleicht fließenden Grenzen bei deren Bewertung, sondern auf die kleinen allgemeinen Zugeständnisse im Leben in dieser westlichen, industrialisierten Urbanität.

· Ich gehe bekleidet aus der Wohnung.
· Ich bezahle Geld für die Wohnung (Grundfläche auf unserer Erde)
· Ich umarme keinen fremden Menschen bei einer zufälligen Begegnung (im Geschäft)
· Ich habe nicht mehrere Männer als Ehepartner
· ….

Dem aufmerksamen Leser fällt bestimmt schon jetzt auf, dass es sich bei all den kleinen Kompromissen im Leben um die Einhaltung von Regeln des gemeinsamen Zusammenlebens handelt. Ob sie nun den Namen Regel, Gesetz, Verordnung, Norm oder Bestimmung haben, wir erkennen, dass wir bei jeder einzelnen Regelung den Kompromiss eingehen, und uns tunlichst daran halten. Zumindest mal nach außen hin. O:-)

Und nur so funktioniert die Gesellschaft, wenn wir in ihr Wohnen und den Kontakt zu anderen Individuen wünschen. Da der Lauf der Zeit immer wieder Veränderungen der Regelungen mit sich bringt, was jedem Menschen bewusst ist, sollte man sich klar machen, dass diese Veränderungen nicht von der Zeit erwirkt werden, sondern von uns Menschen. Von jedem von uns. Für die fortschreitenden Veränderungen ist es daher von entscheidender Wichtigkeit, dass wir alle unsere Regeln nicht nur im Auge haben, sondern wieder und immer wieder in Frage stellen. Grundsätzlich! Verantwortung übernehmen heisst kritisch sein, aber genauso als Bewahrer des Bewährten dafür einzustehen.

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