Sehen – Das (un)erkannte Motiv ( 75 )

oleand jeans hintern Mies Vandenbergh Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Wie ich es auch betrachte, es ändert sich doch! 😉 Wir haben schon alles gesehen. Immer und immer wieder, vielleicht nicht live, nur in (bewegten) Bildern. Es gibt fast nichts, was wir noch nicht gesehen haben. Neues finden wir nur noch selten. Oder?

So oder so ähnlich denken wir jedenfalls. Wir übergehen viele alltäglich anmutende Motive in der sicheren Überzeugung, nur allseits Bekanntes vor uns zu haben. Selektion ist ein körperlich unabdingbarer Prozess, ohne den wir bald an Reizüberflutung zu Grunde gehen würden. Der Mensch teilt ständig ein, in Kategorien, Wertigkeiten und Relevanzen. Ohne das ging es nicht. Das weiß jedermann.

Wir begeben uns -wie in Trance- allmorgendlich zu unserer Arbeitsstelle, zur Schule oder frönen unseren sonstigen Gewohnheiten. Viele von uns bahnen sich, kaum dass sie aus dem Bette gekommen, mit halbwegs geöffneten Augen den Weg zur Kaffeemaschine. Weiter im allmorgentlichen Trott verrichten wir unsere mehr oder weniger notwendigen Dinge, bis wir uns für den Tag gerüstet wähnen.

Selten finden unsere Augen ein besonderes Kleinod. Wir werden, sobald wir unser Domizil verlassen haben, überflutet von Werbung jeder Art. Uns lauern blinkende, leuchtende, grelle Buchstaben auf, die von uns gelesen werden wollen uns aber gleichzeitig von jeglichem aussergewöhnlichem Normalem ablenken. Ich meine dabei nicht nur den durch die Weltgeschichte schreitenden Fotografen, ich meine alle sehenden Menschen. Menschen, die mehr entdecken könnten, wenn sie nur hinsehen würden. Doch wir müssen uns in jeder Sekunde entscheiden, was wir entdecken wollen. Wir müssen uns für oder gegen etwas entscheiden, wenn wir überhaupt die Wahl haben und unser Gehirn Dinge nicht schon als längst als bekannt und nicht der besonderen Wahrnehmung wert befunden hat.

Wie lernen wir nun, wieder dort hin zu sehen, wo unvermutet ein wunderbares Motiv zu entdecken ist? Für den Fotografierenden einerseits, um zu zeigen, wie viel Besonderes es gibt, und dem Betrachter der Bilder zu zeigen, dass es viel mehr gibt, als TV und Werbetafeln. Sich auseinander zu setzen mit den vielen Kleinigkeiten unserer Umgebung, die unser Leben so ungemein bereichern. Andererseits dem nicht fotografierenden Menschen, der sehend und neugierig -wie ein Kind- die Welt an jedem Tage neu entdecken möchte.

Im Alltäglichen das Besondere zu sehen ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es zu erkennen und dann in einer Art und Weise festzuhalten, wir es alle Menschen sehen könnten, würden sie nur hinsehen, ist ein weiterer Schritt für den Fotografierenden. Es zu publizieren, für den Adressaten zugänglich machen, mit dem Bild auszudrücken, was man meint, dem Ausdruck zu verleihen, was uns bewegt und innehalten lässt, das kann der nächste Schritt sein. Im nächsten Schritt können Überlegungen angestellt werden, wie man agieren könnte, um mit seinen Bildern Lebensgefühle auszudrücken.

Jedem Menschen ist daran gelegen in irgend einer Art und Weise darzustellen, wer er ist. Möglichst sollte dies geschehen mit allen gern gesehenen Vorzügen und weniger mit den ungeliebten Makeln. Anhand seiner Bilder, seines Portfolios möchte der „Künstler“ der Umwelt mitteilen, wie er diese Welt empfindet. Er transportiert immer Botschaften, und zwar solche, die gut nachvollziehbar sind, wie auch weniger verständliche. Seine Sprache ist dabei nicht immer zu verstehen, denn oftmals glauben wir nur, diese Inhalte zu verstehen, und liegen dabei doch völlig daneben. Während der Künstler nun diese Botschaft in sein Werk legt, kommt beim Betrachter dieser Kunst immer auch ein Bild des Künstlers an, dass noch lange nicht mit der Intention des Künstlers korrespondieren muss. So wird ein Werk immer auch kontrovers diskutiert, von der unendlichen Vielfalt der Adressaten und deren State of Art.

Wir suchen nicht, was es nicht gibt, wir finden nur, was da ist.

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