Sieh‘ her, wie schön ich bin! ( 72 )

roll jeans hintern Mies Vandenbergh Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Eitelkeiten zieren den Menschen. Ziehen wir durch unser Aussehen nicht gerne andere Menschen in unseren Bann? Wer will schon gerne hässlich sein?

Modelposing. Was erleben Fotografierende bei ihrer Tätigkeit? Was erfahren Fotografinnen während ihrer Touren durch die Straßen der Stadt, wenn sie ihre Kamera auf die interessantesten Personen richten? Von Zustimmung über Unschlüssigkeit bis Ablehnung ist alles dabei. Wir erfahren -je nach Land und Urbanität- die unterschiedlichsten Reaktionen.

Ich finde es immer wieder erfrischend, wenn ich auf Menschen treffe, die für ein Foto gerne posieren. Hier in Deutschland ist es mit der Streetfotografie scheinbar schwieriger, sie scheint sich schwieriger zu etablieren. Viele Menschen haben vermutlich eine negative Belegung in ihrem Kopf über die Möglichkeit dessen, was mit einem Foto, auf dem sie zu sehen sind, angestellt werden könnte. In unserem Nachbarland Holland beispielsweise gehen die Menschen viel entspannter mit dem Thema um. Dort finde ich signifikant häufiger eine Zustimmung durch schlüssiges Handeln, etwa einem Lächeln oder einem leichten Nicken, wenn ich meine Kamera für ein Foto erhebe. Auch in Katalonien und Ligurien beispielsweise habe ich es oft so erlebt und bin richtig begeistert davon.

Als weiteres Merkmal -auch im Zusammenhang mit der Streetfotografie- spielt die Größe der Stadt eine entsprechende Rolle. In größeren Städten finde ich viel eher Zustimmung zu einem Bild oder Portrait, als in kleineren. Vielleicht ist das mit Weltoffenheit und größerer Aufgeschlossenheit zu begründen. In kleineren Ortschaften überwiegt die Skepsis gegenüber Fremdem und seltsam anmutendem Verhalten (irgendwelcher Fotografen).

Gerade deshalb ist für den ambitionierten Fotografen die Großstadt das geeignetere Terrain, wenn es um das Fotografieren von fremden, interessanten Menschen geht. Dort findet man immer wieder Menschen, denen es geradezu recht erscheint, wenn man sie in ihrer Urbanität, in ihrem Dasein ablichtet. So kann die Dokumentation des Lebendigen auf anspruchsvolle und authentische Weise gelingen. Manchmal sogar posieren Passanten direkt für ein Foto, was dann zwar die Aufnahme im Sinne einer ungekünstelten Darstellung des urbanen Lebens zunichte macht, aber als Portrait durchaus hervorragende Ergebnisse zu Tage fördert.

Was mich in meiner Vergangenheit als Fotograf von Menschen schon immer interessiert hat, das ist die Antwort auf folgende Frage: Lassen sich eher attraktivere Personen zu einem Bildnis hinreißen, oder spielt die Attraktivität in diesem Zusammenhang keine entscheidende Rolle? Im Rückblick möchte ich die Behauptung aufstellen, dass sich Menschen mit größerer Attraktivität eher zu einem Portrait bereit erklären, als solche mit unterdurchschnittlicher Präsenz, so meine Erfahrungen. Diese Frage ist zwar mehr aus psychologischer Sicht von Interesse, als aus fotografischer, nichtsdestotrotz interessiert mich die Antwort sehr. Wie sind Deine Erfahrungen, wenn Du Dir darüber Gedanken gemacht hast? Ein Kommentar wäre interessant.🙂

Es folgt ein erster Versuch der Deutung für diese Erfahrung: Kann die Eitelkeit der schönen Menschen als Erklärung dafür herhalten, dass sie tatsächlich lieber fotografiert werden? Wenn dies tatsächlich so sein sollte, wie ist dann die Eitelkeit als „Untugend“ in unserer Gesellschaft zu bewerten? Eitelkeit bedeutet laut Duden: “viel Wert auf die eigene äußere Erscheinung legend; bestrebt, als schön (und klug) zu gelten“. Legen wir alle nicht in irgend einer Weise viel Wert auf unser Äußeres? Sind wir alle eitel? Folgt man dieser Definition, so sind wir es woh. Sehen wir uns also alle gerne auf Fotografien? Diese Frage darf auch jeder gerne selbst beantworten.

Ein zweiter Ansatz ist der Aspekt des Selbstbewusstseins: Was kann schon mit einem Bild von mir geschehen, was soll passieren. Ich werde irgendwo abgebildet und höchstwahrscheinlich nicht mal erkannt werden. Diese Selbstsicherheit und Größe eines Menschen führt gleichfalls zu wunderbaren Aufnahmen von Passanten.

2 Gedanken zu “Sieh‘ her, wie schön ich bin! ( 72 )

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