Bilder – Kritiken ( 68 )

kine jeans hintern Mies Vandenbergh Fotografie

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K R I T I K ! Welch böses Wort. Nicht aber für den, der sich verbessern möchte, der lernen möchte, der wachsen will, der eine Entwicklung wünscht. Was macht der Lehrer? Er kritisiert. Nur nicht so: „So ist es falsch!“ Sondern: „So ist es richtig!“

   Dabei ist die Kritik nichts anderes, als das, mit dessen Hilfe der Lehrer seinem Schüler sein Wissen vermittelt, einen Weg aufzeigt, der sich im Laufe der Zeit als effektiv und weiterführend bestätigt hat. Nicht, dass auch andere Vorgehensweisen zu (m)einem Ziel führen würden, die Frage ist nur, ob man schneller zu diesem Ziel gelangen möchte, um noch andere Ziele zu erreichen oder ob man sich diesem einen Ziel widmen möchte, um dabei Variationen von Zielen zu entdecken, zu entwickeln, die wieder in ganz andere Richtungen führen können. Auch in Sackgassen! Aber der Mensch kann zurück gehen. Hauptsache, er geht. Dazu: “ Der Weg ist das Ziel!“ und: „Je kleiner das Reich, desto konzentrierter die Kraft.“ (Goethe)

   Was heißt Lehre? Wie lernen wir? Wenn ich etwas gut mache, dann erhalte ich ein Lob. Doch wie viel mehr lerne ich, wenn ich ein qualifiziertes Lob erhalte. „Das hast Du gut gemacht, weil… .“ Und wenn ich etwas noch nicht so gut gemacht habe? Mein Lehrer verbessert mich deshalb, weil ich es nicht ganz richtig machte. Doch auch hier ist die Qualität entscheidend. „Das gelingt Dir so oder nur so zur Zufriedenheit, wenn Du das oder jenes anders machst und dies oder das stärker – oder überhaupt – berücksichtigst.“

   Nur dann trägt Kritik! Ganz gleich, ob in positiver oder negativer Richtung, zur Verbesserung der Fertigkeiten unterstützt sie. Außer unserem Ego helfen lediglich solche Sätze, wie „Toll gemacht!“ oder „Völlig daneben!“, „Gefällt mir“ ;-)  in keinster Weise weiter. Der Mensch ist jedoch ein Wesen, das nach Entwicklung strebt. Das ist in unseren Genen vorprogrammiert. Unabänderlich. Wie wertvoll richtig angebrachte, qualitative Kritik sein kann, erfuhr ich sehr deutlich nach meinem Studium während meiner einjährigen Schnupperausbildung zum Koch, oder wie man eine abgebrochene Berufsausbildung sonst nennen mag. Nur einer der sieben dortigen Köche verstand sich auf qualitative Kritik im sonst niveaulosestem Umgangston und Umgangsformen der durchaus mit gehobener Küche angesehenen Restauration. Von ihm lernte ich alles, was mir bis heute noch aus der Zeit des Kochens geblieben ist, darauf konnte ich im Weiteren immer wieder aufbauen, denn durch die vermittelten Hintergründe während der Anweisungen wurden diese selbsterklärend und verständlich. Es brannte sich im wahrsten Sinne des Wortes in mein Gedächtnis ein!

   Später konnte ich diese Art der Belehrungen in Form der konstruktiven Kritik auch für meine Lehrlinge anwenden, und ich habe mich meinerseits über positives Feedback stets gefreut. Das aber nur am Rande.

   Mein eigener Kritiker werde ich dann, wenn ich meine Arbeiten zeitversetzt betrachten kann. Ganz gleich, ob es Fotografien aus den frühen 80er Jahren sind, oder hier zu Beginn des Blogs eingestellte, bearbeitete Po-Fotos. Wenn mir manches mal meine rudimentären Versuche der Bildbearbeitung vorkommen, als wären sie nur mal eben schnell dahergestaltet, so werde ich zu meinem schärfsten Kritiker. So stelle ich fest, dass „einige“ Bilder einer weiteren Bearbeitung bedürfen!

   Auch die Texte, die ich vor 3 Jahrzehnten verfasste, könnten einer Überarbeitung bedürfen. Rein grammatikalisch natürlich, denn die Erfahrungen eines erwachsenen Menschen sind nicht die auf die eines 16 Jährigen auch wenn es sich um die selbe ( bemerke: nicht GLEICHE) Person handelt, obwohl: in den darauffolgenden Jahren wurde ich schon zu einem anderen Menschen … ;-)  Bei Texten ist es also ein wenig anders, denn im Moment der Niederschrift hatte sie ihre Gültigkeit: man war so! Und man dachte so! Und man fühlte so! Die Erfahrung teilt mir mit, was damals gemeint war, was anders war und was immer noch so ist, und meine weiteren Erfahrungen belehren mich wiederum eines besseren, anderen, richtigeren, falscherem …😉

   So halte ich Kritik für eine der wichtigsten Mittel zur Förderung und Forderung bei der Entwicklung seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten. Wenn es während des Studiums sogar weniger der Prof ist, als ein Seminarleiter, der auf die Studenten eingehen kann und in der Lehre oft der Geselle, der den Azubi „an die Hand“ nimmt, kann die konstruktive Kritik für unsere Fotografien außer von professionellen Seminarleitern ebenfalls von sehenden Mitfotografen kommen, die allein durch den Gehalt der Kritik ihre eigene Qualifizierung offenbaren werden. So entsteht manchmal gegenseitiges Voranbringen.

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