Die Vergänglichkeit der Jeans ( 57 )

karto jeans hintern Mies Vandenbergh Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Fotografie als Zeitvertreib, von Motiven, die sich im Laufe der Zeit aufreiben. Vergängliche Lebenszeit für vergängliche Motive. Was bleibt ist das Nichts. Weder Motiv bleibt noch Betrachter. Und dennoch: für die Zeit der Wahrnehmung bleibt die Erinnerung auf Zelluloid oder Bits und Bytes, Papier oder Alu-Dibond als geistige Krücke für vergessliche Geister. Wunderbar.

Sinn und Zweck unseres Daseins scheint vordergründig die Arterhaltung der Gattung Mensch zu sein. Läuft alles darauf hinaus, könnte man meinen. Schon immer hat mich die Frage nach dem „Warum?“ nicht nur beschäftigt, sie hat mich viele Minuten meiner Stunden, Stunden meiner Tage, Tage meiner Jahre gekostet. Dramatisch ausgedrückt hat mich diese Frage einen Teil meines Lebens so sehr beschäftigt, dass ich in dieser Zeit fast abgemeldet von der Realität nicht am regelmäßigen Leben teilnahm.

„Warum wurden diese Worte gesagt, jene Tat vollbracht oder manche Dinge unterlassen? Geschah dies aus freiem Willen? Ereignete es sich unter vollem Bewusstsein oder war Gedankenlosigkeit im Spiel, gar Absichtslosigkeit?“, so lauteten die Fragen in mir, die ich stets versuchte zu lösen. Zu lösen oftmals im Kreise meiner Freundinnen und Freunde, mehr aber noch in diffusen Gedanken, scharfen Thesen und noch schärferen Antithesen, ausgedrückt in Texten, die ich vornehmlich mit Hand verfasste. Mann dachte nach, bevor der Text zu Papier gebracht wurde. Das war schon im 5. Schuljahr so, und sollte bis heute bleiben. Nur die Handschrift ist dem Tippen gewi(s)chen.

So gibt es im Leben des denkenden, fühlenden Menschen mehr als die pure Arterhaltung. Folglich stellt sich die Frage, was den Mehrwert in unserem Leben ausmacht? Welchen Stellenwert nimmt beispielsweise die Beschäftigung mit dem Hobby Fotografie allgemein und die Ablichtung schöner Vergänglichkeit im Besonderen ein? Bezogen aufs Besondere frage ich weiter: Halte ich verzweifelt fest, was unabdingbar dem Wandel und letztlich sogar dem Untergang geweiht ist?
Da du nur eine begrenzte Anzahl von Tagen hier auf diesem Sonnentrabanten verweilst, sich dies einer so zumindest ausgedacht hat, ist die Überlegung anzustellen, wie du die Tage verbringen möchtest. „Jede Zeit hat ihre Dinge!“ So heißt es irgendwo.

Ich persönlich widme mich in meiner Freizeit unter anderem der Fotografie der schönen Vergänglichkeiten. Bei genauerer Betrachtung ist natürlich jedes Phänomen vergänglich, allein bei der Halbwertszeit finden sich Unterschiede. So, wie eine Blüte und ein Baum vergänglich ist, so ist es unser Körper ebenso. Allein die Geschwindigkeit der Veränderungen ist (nicht nur) von außen betrachtet unterschiedlich. Unter den Wesen dieser Erde denken wir uns die verschiedensten Zeitspannen. Schneller dahin geht unsere eigene Anmut im Auge der Schildkröte, wie unendlich langsam in den Augen des Schmetterlings. Diese Kreaturen wissen vermutlich nichts davon. Wir selbst hingegen besitzen dieses vermeintliche Wissen darüber, doch erleben uns letztlich nur durch unsere höchst subjektive Wahrnehmung.

Neben vielfältigsten weiteren Inhalten meines Daseins beansprucht das Hobby Fotografie für mich (inklusive einem Anspruch einer -irgendwie gearteten- Selbstverwirklichung) einen relativ weiten Raum. Das führt bisweilen dazu, dass andere Elemente des Lebens kürzer treten. In wie weit das zu bewerten ist, kann jeder mit seinen „Mitmenschen“ beschließen.

Nebenbei: Genauso viel Zeit beansprucht diese momentan ausgeführte Teilnahme an unserer Blogcommunity. Lesen und schreiben wir nicht eine Menge unserer Zeit hier? Besser als Television? Vermutlich!

Verfahren wir also in unserem Dasein allesamt mehr oder weniger gleich auf der Leiter der Evolution? Halte ich mich einmal nicht mit solchen Kleinigkeiten und Haarspaltereien wie unterschiedlichen Motiven auf, so ist für mich die Fotografie die spannende Dokumentation des Menschlichen und ja, auch hin und wieder des menschlich Möglichen. Dabei ist ganz wichtig, dass Absender und Adressat gleichermaßen gewichtet sind. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, die Fotografie ist ausschließlich Dokumentation des menschlich Möglichen. Schließlich kann jeder Mensch, wenn sich ihm die Möglichkeit bietet, und er die technischen Voraussetzungen hat, alles, was ihm vor Augen schwebt, sehen, dabei ablichten und letztlich öffentlich machen. Selbst Ideen und Phantasien kann er „fotografieren“, wenn er die Kunst des „GIMPENS“ beherrscht.

Eine Bewertung dessen kann hier nicht erfolgen, denn es wäre nur ein Abklatsch der gesellschaftlichen Konventionen, gepaart mit persönlichen Präferenzen und gesetzlichen Vorgaben.

Wie bei anderen Sujets, so auch bei der Fotografie, dieser einen Variation der vielen menschlichen Betätigungsfelder, finden sich unendliche Facetten der stets subjektiven Darstellung von Lebensinhalten. Scheinbar befreit bleibt diese Richtung der Kunst von jedem Diktat der Arterhaltung. Die nach der Ausübung allzeit notwendige Kommunizierung der Ergebnisse, die für fast alle Hobbys der Menschheit fundamentaler Bestandteil ist, erfolgt über einfache mediale Wege, die niemals so leicht zu beschreiten waren, wie heute im Netz.

Was du auch tust, wenn du einem Sinn auf der Spur bist, es wird immerzu ein Teil deiner Aufgabe sein, die du dir selbst auferlegst, deren Ziel dir dabei jedoch nicht immer vor Augen liegt. Du verwendest dazu dein Leben und sogar einen Teil des Lebens deiner Mitmenschen. Die Schleife dazu finde ich genau in der Form der Kommunikation der Ergebnisse, die letztendlich dem Wunsch nach Gemeinsamkeit, Anerkennung und Sozialisation Rechnung trägt. Der Mensch, ein sozialer Egoist.

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