Streetfotografie mit Zeit (56)

moth jeans hintern Mies Vandenbergh Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Weiter mit der Kamera unterwegs. In einem Straßencafé auf einem Hocker sitzend, die Hände leicht unterkühlt durch den Winterwind in Kombination mit der auslösebereiten Kamera, nun wärmend an der Tasse mit heißem, weißen Kakao sehe ich den vorbei huschenden Gestalten zu. Ich bin in dieser Stadt, weil ich bis zu einem Termin noch 2 Stunden Zeit habe. Meine Kamera habe ich bewusst dabei, relativ lichtstarkes Objektiv, nur das 24-70er. Sonst ist öfters das 50er mit 1.4 dabei. Ich meine, für die Streetfotografie eine geeignete Linse. Im Cafe stehen die Menschen im vorderen Bereich an einer Theke, kaufen Brot und Kuchen, sehen sich hektisch um, kramen nach ihrem Portmonee in ihrer Jacke oder Handtasche. Ich sehe ihnen dabei zu, stelle mir die eine oder andere Frage, was in ihnen wohl vorgeht. Selten nimmt einer die Umgebung wahr, konzentrieren sie sich doch auf die Auslagen des Konditors. Manchmal kann ich einem Menschen für einen Augenblick länger in die Augen blicken, wenn er meiner als Gast gewahr wird.

   Wohlig warm durch den eigentlich viel zu süßen Kakao schlendre ich durch die Stadt, sehe immer wieder Szenen des Alltäglichen, die einer Aufnahme kaum Wert wären. Nur manchmal meine ich etwas Besonderes zu bemerken, dazu nehme ich die Kamera hoch, halte sie erst zeigend empor, und manchmal kommt ein einladendes Lächeln zur Antwort, worauf ich die Situation festhalten kann. Viele der Fotos schlummern als RAW-Datei auf einer definierten Festplattenregion, wo sie ganz vielleicht irgendwann wieder entdeckt werden.

   Bei den Fotos der wohlgeformten Hintern ist es ganz ähnlich. Immer dann, wenn mir einer auffällt, ich die Kamera dabei habe, fotografiere ich die Figur eher beiläufig, wenn es die Situation ergibt. Wie schon erwähnt ist der Aufnahmewinkel von entscheidender Bedeutung, leider ergibt sich des Öfteren keine geeignete Perspektive, sodass es lediglich beim Blick bleibt. Wenn es die Zeit ergibt, und ich eine gewisse Zustimmung zur Zusammenarbeit erkennen kann, frage ich nach einem Bild.

    Während des Schlenderns in der Gelassenheit der übrigen Zeit lässt sich doch sehr gut die Umgebung selbst in kleinsten Teilen beachten. Liegt eine Herausforderung bei der Streetfotografie doch in der Darstellung alltäglicher, nicht jedoch alltäglich wahrgenommener Momente. „Zu sehen“ ist die Königsdisziplin der Fotografie in all seinen Themenbereichen. Dabei ist besonders spannend zu erkennen, dass jeder Mensch durch seine Augen verschieden wahrnimmt, wodurch eine wunderbare Vielfalt von Aufnahmen zu bewundern ist. Auch zu lernen ist durch schiere Betrachtung der Bilder in den Netzwerken eine vielversprechende Möglichkeit. Seine Bildidee umsetzen mit den Eindrücken der meisterlichen Fotos weniger Fotokünstler ist eine schöne Versuchung.

   Posierende Menschen in alltäglicher Verflechtung stellen für mich eine lohnenswerte Aufgabe der Fotografie dar. Selbst eine verbotenerweise Tauben fütternde ältere Dame mit einem futterneidisch blickendem Terrier kann eine gelungene Aufnahme darstellen. Wie gesagt, die Motive sind so weitläufig wie die Menschen vielfältig, es wäre interessant sich für bestimmte Sessions zu finden.

   An einem Brunnen aufgehalten durch die lauten, wilden Kinderrufe erinnere ich mich an die Tage meiner Jugend, wie wir drei von vier Löchern des Tübinger Brunnens zugehalten hatten, um mit dem Vierten doch den ein oder anderen nicht so grimmig schauenden Passanten zu benetzen. Was blieb ist eine Narbe am Schienbein entstanden durch das Abrutschen vom moosigen Rand des Brunnensteines bei gleichzeitigem Halten der Position im Liegestütz, denn ich wollte ja nicht hinein fallen. Tat ich auch nicht.

Ich fotografierte die jungen Menschen am Brunnen, sie lachten darüber – und mich freundlich an. Schöne Bilder, jedoch ohne Release nicht zu veröffentlichen.
An diesem Tag ein Foto einer tollen Figur, eines Menschen wartend auf die Zeit. (siehe oben)

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