Bildbearbeitung (52)

rew jeans hintern Mies Vandenbergh Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Welches veröffentlichte Foto ist heutzutage unbearbeitet? Keines, richtig! Was zu analogen Zeiten noch die Dauer der einzelnen Tauchbäder des Filmstreifens in mehr oder weniger säure- oder base-haltigen Chemikalien und die Behandlung des belichteten Fotopapieres ausmachte oder was der Fotograf mit der Wahl des Filmes und der Wahl der Din/ASA Zahl beeinflussen konnte, das kann in den heutigen Zeiten jedes noch so einfache Bildbearbeitungsprogramm leisten. Ob Fluch oder Segen, zu solch einer pauschalen Fragestellung lässt sich bei ernsthafter Bewertung kein eindeutiges Urteil abgeben. Da hier ein „Sowohl“ wie „Alsauch“ zutreffend ist, möchte ich auf beides eingehen.

Was früher Maler wie Roger Dean oder Rodney Matthews in ihren fast realistischen aber dennoch surrealistischen Bildern auf eindrucksvolle Weise zu Papier brachten, das ist heute mit zugegebenermaßen ausgezeichneten Kenntnissen der Software vielen Menschen möglich. Als Beispiel eines wahren Künstlers auf dem Gebiet möchte ich hier Uli Staiger. nennen. Seine Fotocollagen erinnern mich etwas an die Gemälde von Dali oder Magritte. Sicher eine ganz andere Art der Kunst, aber insofern im gleichen Atemzug zu nennen, als das Produkt ihres Schaffens den Geist und die Phantasie des Betrachters auf eine phantastische Reise mit nimmt. Bei meinem Besuch des Dali-Museums in Figueres im letzten Jahr habe ich es in geballter Form staunend erleben dürfen, und ich habe für mich festgestellt, dass diese surrealistische Darstellungsweise meine gewohnte Sichtweise der Dinge auf eine sehr angenehme Weise in Frage gestellt hat. Durch die intensive Auseinandersetzung mit seinen ausgetellten Werken kam ich zu der Fragestellung, wie weit unsere Sicht auf die Alltäglichkeiten mit einer mangelden Wahrnehmungsfähigkeit einhergeht. Blind geworden für die Schönheiten des Lebens durch schreiende Bilderfluten an allen Ecken und Wegen ist unser Geist vielleicht überfordert abgestumpft. Mit einer stoischen Selbstverständlichkeit laufen wir im Tunnelblick durch unseren Aufenthalt auf dieser Erde.

Für uns Fotografiebegeisterte könnte die Auflösung dieses Dilemmas eine ungeahnte Schaffenskraft bezüglich der Aussagekraft unserer Fotos erwirken. Nicht die Bildbearbeitung, um den Bogen wieder zurück zu führen, soll die Bildaussage erzeugen, finde ich, sondern der Grundgedanke des Fotos ist entscheidend, und zwar im Moment der Aufnahme des Motives.

Bei weitem nicht so offensichtlich aber exzessiv findet die Bildbearbeitung in der Werbeindustrie statt. Retouchieren ist dort, wie jeder weiß, der Regelfall. Ob es sich um Food handelt oder um Menschen, es wird am Rechner alles „ein wenig“ verschönert. Ob diese Makellosigkeit einen positiven Einfluss auf uns ausübt, daran habe ich ernsthafte Zweifel. Ist im realen Leben um uns herum doch auch nicht alles so perfekt.
Auf der anderen Seite freue ich mich, wenn ich ein nicht ganz richtig belichtetes Bild am Rechner noch so bearbeiten kann, dass es wieder halbwegs richtig belichtet aussieht. Genauso freue ich mich, dass ich stürzende Linien korregieren kann und rote Augen nur noch eines Klicks bedürfen, um sie in glänzende braune Augen mit einem Spitzlicht darin für die Lebendigkeit zu verwandeln. Sollte es also eine gute Seite der Bildbearbeitung geben und eine schlechte? Und wer würde festlegen, wo die Grenze oder die Grauzone zwischen beiden läge?

Der gesunde Menschenverstand wird vermutlich landläufig zur Meinung tendieren, dass ein wenig unauffällige Bearbeitung schon in Ordnung wären. So zumindest die Antworten einiger zehn Befragten. Doch ich selbst habe ernstliche Probleme bei der Umschreibung von „ein wenig“. Versteht jeder gleich viel unter „ein wenig“? Nein! Was spräche dagegen, etwas mehr zu bearbeiten, wenn man nicht sowieso nur „out of the cam“ (unbearbeitet) gelten ließe. Kann ich nicht den Hintern etwas kleiner machen, dafür den Busen etwas größer und die Nase gerader richten? Den Apfel noch ein bischen roter und die Wiese etwas saftiger? Ist doch nur ein Foto, oder?

Was spräche dagegen? Der Wirklichkeit die Farben „wiedergeben“, die der Bearbeiter an seinem unkalibrierten Bildschirm als zutreffender beurteilt. Warum nicht, wenn wir Menschen unser ganzes Leben lang der Schönheit nachstreben. „Ach sieh mal, wie schön der/die/das [Himmel/Sonnenuntergang/Vogel/Gesicht/Gebäude/Blume/Frau/Mann/Berg/…] ist!“ Entzückt von der Schönheit der „Dinge“ blicken wir auf, freuen uns, behalten es sogar für einen Moment länger im Gedächtnis, als das Gewohnte, das Normale. Kehrt sich das doch erst wieder ab einem größeren Ausschlag des Pendels zur Hässlichkeit um. Warum also nicht ein zwar bearbeitetes aber dadurch auch „schöneres“ Bild präsentieren? Was wäre, wenn wir ein „nur“ unbearbeitetes Foto dem gegenüberstellten?

Diese Frage wird in jeder Sekunde von Millionen von Hobbyfotografen oder Berufsfotografen mit einem „Nein“ beantwortet. Es ist meist so, dass die Wenigsten (mich inbegriffen) bei der Aufnahme die gestalterischen und technischen Überlegungen VORHER durchdenken(können) und diese anwenden(können), und zwar so, dass eine Bildbearbeitung unnötig oder sogar kontraproduktiv wäre. Ausgenommen sind davon natürlich die o.g. Künstler, deren Bilder ja erst durch die Bildbearbeitung entstanden.

Mein Fazit ist, dass die reine Möglichkeiten der Manipulation schon deren Einsatz am Bilde zum uneingeschränkten Standard macht. „Es gibt die Programme, also verwende ich es! Somit gilt der Spruch: „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!“ adäquat für alle Fotos. Wie gehen wir damit um? Wir leben im Zeitalter der Aufklärung, in dem wir ob der unermesslichen Informationsflut immer unaufgeklärter werden und nur durch einen geeigneten Filter der für uns relevanten Infos habhaft werden können. Wissen wir also um die Möglichkeiten der Bildmanipulation und sehen etwas genauer hin, so erkennen wir vielleicht eher die Botschaft des Bildes im Rahmen unserer gemeinsamen Wirklichkeit.

P.S. Hier noch eine unvollständige Liste der Tatwerkzeuge:

· Gimp                                kostenlos

· Photoshop                       950,- €

· CaptureOnePro               229,-€

· Lightroom                       135,- €

· UfRaw                              kostenlos

· CameraRaw                     in Photoshop

· Silky Pix                           219,- €

· DXO Optics                     299,- € / 149,- €

· ACDSeePro                      40,- €

· CorelDraw                       630,-€

· Raw Therapee                 kostenlos

· CaptureNX2                    179,- €

· Aperture 3                        70,- €

· Bibble Pro(CorelAfterShotPro)  90,- €

· Digital Photo Pro            kostenlos

· HeliconFilter                   63,- €

· Photoshop Elements      100,- €

· View NX2                          kostenlos

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