Körper – Aquarelle (46)

Schon früher habe ich über die Formen des menschlichen Körpers nachgedacht und die Berichte über die von Sozialwissenschaftlern und Forschern durchgeführten Beobachtungen und Experimente gelesen oder mehr noch verschlungen. Vom Aussehen der hübschen Mädchen an unserer Schule inspiriert und vor dieser Zeit erstmalig mit dem anderen Geschlecht in Berührung gekommen – zur Zeit der Grundschule – kamen die wohl von nahezu jedem Kind oder Jugendlichem erlebten „Doktorspiele“ vorab zu meinen ersten Erfahrungen. Wir wohnten in einem Mehrfamilienhaus mit 10 Parteien, unter denen neben uns noch zwei Familien mit Kindern unseres Alters lebten. Da wir uns gut kannten, kamen wir einmal dazu, im Zuge der Entdeckung unserer Geschlechter, dies doch mal genauer zu untersuchen. So verabredeten wir uns nachmittags im Partykeller, um dort heimlich vor den Erwachsenen verborgen, zu betrachten, wie es beim anderen aussieht. Zu fünft mit zwei Jungs und drei Mädchen sahen wir nun liegend auf einem Sofa nach, wie es denn aussah. Das Bild von Rembrandt van Rijn „Die Anatomie des Dr. Tulp“ könnte da fast eine Kopie der Situation darstellen! Völlig ohne irgendwelche Hintergedanken gaben wir unserer Neugier nach und in der Zeit nach diesem Abend gingen wir alle mit zwar einem leichten Lächeln, aber insgesamt ganz normal – wie vorher – freundschaftlich miteinander um.

mies-vandenbergh-fotografie Gemälde Gruppe Körper

Nach diesen spannenden Erlebnissen kamen die Zeiten der Oberschule und das sollte die Entwicklung meines Verständnisses von Beziehungen zum anderen Geschlecht prägen. Dazu aber zu einem späteren Zeitpunkt mehr.

Ich sah gerne die Mädchen an und ich habe schon immer auf die Proportionen geschaut. In wie weit das bei anderen Jugendlichen der Fall war entzieht sich meiner Kenntnis. Bei meinen Freunden war es unterschiedlich, es waren die Gesichter wichtig, der Busen, die Erscheinung oder die Figur. In diesem Alter wechselten unsere Vorlieben häufiger, wenn man das überhaupt so beschreiben kann. Ich meine, am wichtigsten war für uns damals das Gesicht. Ich habe aus meinen damaligen Tagen alte Aufzeichnungen durchgesehen und ich erinnere mich ebenso daran, dass ich schon damals sehr viel Wert auf den „Verlauf“ legte, wie ich es beschrieb. Ich meinte damit genau die Körperregion von den Oberschenkeln bis zur Hüfte. Ich war und bin noch immer von diesen Linien fasziniert. Ausdruck habe ich dem schon immer in Form der Fotografie gegeben, doch vor einigen Jahren zusätzlich damit begonnen, in der Malerei eine Darstellungsform für die Wiedergabe der Faszination zu finden oder besser gesagt damit meine Vorstellung davon zu manifestieren. Bilder als Ausdruck einer Odyssee der inneren Reise zwischen eigenen Vorlieben und Wünschen, dazu die Irrungen und Wirrungen des Erwachsenwerdens, das keineswegs je mit dem 18. Lebensjahr abgeschlossen wurde. Selbst im Alter von Ü40 entwickelt sich die Sichtweise weiter, vermutlich wird es wie das Gesamtbild ein Teil des Lebenswerkes.

Hier wiedergegeben habe ich zwei Bilder in der Aquarelltechnik, in denen die Farbe Siena dominiert. Die Formen und Linien beschreibend habe ich eines der Bilder monochrom gemalt, das andere fast monochrom. Bei der Ansicht soll der Betrachter auf sein eigenes Vorstellungsvermögen zurückgreifen, ohne dass ich eine detaillierte Bildaussage vorgeben möchte. Einzig die Linien sind deutlich gemalt, die Formvollendung findet in der Gedanken- und Gefühlswelt des Betrachters statt. Ich sage mit den Bildern aus, was ich für mich selbst in ihrem Motiv erkenne, soweit ich die Fertigkeit zur Umsetzung dessen beherrsche; bei jedem Menschen kommt es in Folge der eigenen Idee von Schönheit und Kunst zu einer Differenz oder Vielfalt in der Botschaft des Bildes. Lasse ich also die Bilder wirken.

soli kl

Zur Aussage der bildenden Kunst möchte ich meine Erfahrung bei der Fertigung von kleinen Skulpturen erzählen, das in einem der nächsten Beiträge. Ich habe die Skulpturen nach einem Bildnis in meinen Gedanken gearbeitet.

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