Intermotiviale Pfade – Der Weg zur People-Fotografie (45)

baek jeans hintern Mies-Vandenbergh-Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Mein spannender Weg zur Körperfotografie, zur Menschenfotografie allgemein gestaltete sich umständlich – aber auch stetig. Wie er sich entwickelte und welche interessanten Umwege ich beschritt, darüber möchte ich in diesem Beitrag schreiben. Wohlwissend, dass ich noch lange nicht an ein Ziel, in einen statischen Zustand gelangt bin, so bin ich der festen Überzeugung, dass dieser Weg, wie es der des ewigen Lernens im Leben ist, auch hier keine Ausnahme bildet. Jeder Mensch, der sich ernsthaft mit der Fotografie beschäftigen „will“, der steht mit seinen ersten Bildern in der eigenen Kritik.

   Ich habe zwar schon auf dem ersten Film mit meiner trivialen Kodak „Ritsch-Ratsch-Klick“ – Kamera meine damalige französische Freundin abgelichtet, ebenso aber einen Marinezerstörer in Husum, die dortige Jugendherberge sowie die Stadt. Nach der Kodak kam die erste Spiegelreflex und damit begann die eigentliche, spannende Reise durch die unendlichen Motivwelten. Resümierend möchte ich vorwegnehmen, dass ich trotz der ausschweifenden Fotoreihen mit anderen Motiven doch wieder zurück zu den anfänglichen Vorlieben, nämlich der Menschen-Fotografie zurück gekehrt bin.

   Am Anfang war durch das aufkeimende Interesse am anderen Geschlecht schlechthin der Wunsch entstanden nicht nur meine auch aus heutiger Sicht sehr fotogene erste „richtige“ Freundin zu fotografieren. Mit offenen Augen durch die Welt gehend gab es für mich schon immer sehr viele in meinen Augen „hübsche“ Frauen; als Jugendlicher natürlich eher Mädchen. Nicht jede derer wollte ich fotografieren, ich dachte nur bei einem bestimmten Typus darüber nach, dass genau dieses Mädchen in exakt dieser Situation, jetzt in diesem Augenblick ein wundervolles Motiv für ein hervorragendes Bildnis hergäbe. Ich möchte an dieser Stelle besonders für die oder den fragende(n) Leser(in) deutlich machen, dass es mir nicht darum ging, all diese Mädchen zu meiner Freundin zu gewinnen, sondern sie zu fotografieren.

   So kam es zu Situationen wie jene, in der meine damalige Partnerin – in gemeinsamen Vertrauen zwischen uns beiden – ihre Klassenkameradin, die für mich sehr fotogen war, fragte, ob sie Spaß an einem Foto-Shooting hätte. Bald darauf sollte es sich ergeben. Durch die wahre Begeisterung des Modelles über ihre Bilder wurden sogar drei Foto-Shootings innerhalb von 2 Jahren daraus. Diese beeinflussten die Partnerschaft mit meiner Freundin nicht. In verfremdeter Form stelle ich eines der Bilder später aus, und zwar deswegen verfremdet, weil ich als 17jähriger noch nichts über Modell-Release wusste, bzw. nicht mal im Ansatz an Veröffentlichung zu denken war und es das Internet schlicht nicht gab. Ja, so lange ist es her! Auch kann ich nicht einfach vom Einverständnis des hübschen Mädchens mit ihren braunen langen Haaren ausgehen, ihr Bild hier zu veröffentlichen.

   So habe ich in den Endsiebzigern und Achtziger Jahren mit der Fotografie begonnen. Nicht alleine habe ich dieses Hobby betrieben, denn während meiner neunjährigen Oberschulzeit waren in meinem direkten Schulfreundeskreis zwei weitere Jungs ebenso ernsthaft an der Fotografie interessiert, wie ich. So unternahmen wir gemeinsam unzählige Fototouren.
Mein Motiv sollte von da an in der kommenden Zeit immer wieder wechseln. Ich empfand es damals – wie heute – niemals verwerflich, wenn sich ein Fotograf nicht auf nur wenige Motive in seiner Fotografie beschränkt. Bei Goethe las ich sinngemäß einmal einen Satz über das Fachidiotentum: Je kleiner sein Reich, desto konzentrierter die Kraft. Meiner Ansicht nach steckt viel Wahrheit darin. Jeder Mensch kann sich dabei selbst aussuchen, wie er in seinem Leben seine Kräfte einsetzen möchte: breit gefächert oder in die Tiefe gehend. Es gibt für beide Richtungen gute Gründe.

   So kam ich zur Natur- und Landschaftsfotografie. Dieses Motiv hat mir durch seine Statik viel über das Thema Bildkomposition vermittelt. Bei gemeinsamen Bildbesprechungen der gleichen Motive mit unterschiedlichen Ergebnissen wetteiferten wir, unterstützt von eigenen „Klugscheißereien“ über Betrachtungswinkel, Horizontaufteilung oder fehlendem Vordergrund um das bessere Foto.

An der nächsten Abzweigung des Motivweges geriet ich in die Fänge der Architekturfotografie. In den Metropolen Köln und Düsseldorf, aber auch in Wuppertal und dem Bergischen Land wurden wir leicht fündig. Tilt und Shift noch als unbedeutende Fremdworte abgetan und mangels nicht existenter Rechner mit nicht vorhandenem Gimp oder Photoshop stürzten uns die Linien nur so um die Ohren, wenn wir nicht weit genug weg das Teleobjektiv in Anschlag brachten.

   Manchmal flackerte während der ausgedehnten Städtetouren neben uns das Motivlichtlein der Streetfotografie auf, während uns dieser heute so in Mode gekommene Begriff und das Genre als Motiv völlig unbekannt war. Dennoch hatten wir so manches Motiv als lohnenswert für ein aussagekräftiges Foto bewertet und nach Blenden- und Zeiteinstellung mit dem Schnittbildindikator nach der flüchtigen Schärfeebene gefahndet. Zoos waren und sind weiterhin ein dankbarer Motivdschungel. Tiere ergeben für mich auch heute noch teils interessante, teils dramatische, aber auch skurile und lustige Fotografien. Am See bei uns waren die frechen, nimmersatten Enten ein beliebtes Motiv und vor so manchem fauchendem Höckerschwan mussten wir uns hinter eine Bank retten.

   Trotz all diesen Ausflügen in andere Themenbereiche der Fotografie gesellte sich auf die Filme immer wieder hier und da ein Negativ eines schönen Menschen, vornehmlich das Gesicht und besonders die Linien eines Mädchens. Ich bin aus noch ungeklärter Ursache nicht Fotograf geworden, obwohl ich mich zeitlebens damit beschäftigte. Doch diese Geschichte ist eine andere als diese hier.

   Als vorläufiges Fazit habe ich für mich die Erkenntnis gewonnen, dass mich die aufreibenden Reisen zu den verschiedensten Motiven bei der Entwicklung meines fotografischen „Könnens“ unterstützten. Bei der Umsetzung des Erkannten konnte ich häufig die Schwierigkeiten erleben, es einfach anders zu machen. Das Alles geschah in der Zeit während des „restlichen“* Lebens. Die Veränderungen im eigenen Anspruch mal beiseite gelassen, gewährt mir die Einsicht über meine technischen Unzulänglichkeiten mindestens eine Erkenntnis: für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Güte meiner Bilder braucht’s mehr als nur ein Forum oder ein Bildhoster mit Favoriten oder „Like“ – Häckchen – Funktion. Persönliche Besprechungen mit Leidensgenossen oder nichtvirtuellen Bildansehern kann ich nur wärmstens empfehlen.

   Ich empfehle desgleichen jedem Fotografie-interessiertem weite Ausflüge in die verschiedensten Motivwelten. Im weiteren Verlauf jedoch halte ich eine Vertiefung von wenigen Motiven als diffuses Ziel für lohnenswert, dies in Angriff zu nehmen. Es bedeutet ja nicht eine starre Festlegung auf ewig. Ein gelegentlicher Blick über den Tellerrand verhilft einem entweder zur weisen Erkenntnis, dass man doch eine andere Richtung der Fotografie im Blut hat oder die Erkenntnis, dass man in den bekannten Gewässern wunderbare „Landschaften“ dokumentiert.

    Noch eine abschließende Bemerkung über die Familienfotografie: Auch wenn viele Fotografielehrer in ihrer Lehre diesen Zweig der Fotografie gleichbedeutend mit allen anderen Bereichen als lehrwürdig betrachten, so möchte ich dem einen Gedanken entgegenhalten, der mich am Ziel dessen zweifeln lässt: Wenn ich mich in der Fotografie bilden möchte, so mache ich mir Gedanken über viele Bedingungen des Abbildens, ich lerne viel über Dinge wie Einstellungsmöglichkeiten, Licht und Dunkelheit. Doch ich meine, jedes Bild der Familie, das aus lehrfotografischer Sicht nicht gemacht wurde ist ein verlorenes Bild. Lieber 30 mittelmäßig fotografierte Bilder des Kindes bei nur einem gelungenem, als auch nur ein einziges, verpasstes Bild, denn in Zeiten des kostenlosen Speicherns der Bilder ist es einerlei. Mit der Zeit sollte sich die Art und Weise der Abbildungen beim ambitionierten Fotografen zwangsläufig weiter entwickeln. Will man aber das Familienleben vielleicht in Form von Jahresfotobüchern dokumentieren, für die Nachkommen Aufnahmen zusammenstellen, so meine ich, man solle lieber einmal mehr auslösen.

* Das wirkliche Leben ist für mich sehr plakativ gesagt weiterhin die Vereinigung von Selbstentwicklung und – vor allem – Partnerschaft mit Familie inklusive allen Baustellen und Nebenkriegsschauplätzen wie täglicher Hausaufgaben – Hilfestellung zur selbstständigen Erledigung derselben durch die lieben Kinder.

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