Film und Modegeschichte(n) der 1960er Jahre (36)

mastan jeans hintern Mies-Vandenbergh-Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

   Im James Bond Film „Goldfinger“ ist die mit Gold überzogene, auf dem Bett drapierte Schauspielerin Shirley Eaton zu sehen, deren Körper nackt zu sein scheint, in der Einstellung der Kamera eigentlich als nackt erkennbar, jedoch in allen folgenden vier Kameraeinstellungen mit verdecktem Hintern. In der ersten Einstellung wird in der Ganzkörperansicht der Popo durch ein Kissen verdeckt. In den weiteren Einstellungen wird der Bildausschnitt so gewählt, dass nur der Rücken oder die Beine ausschließlich zu sehen sind. Der Film ist von 1964, zu dieser Zeit konnte man demnach noch nicht ohne Weiteres einen Hintern zeigen, und sei es nur in der Profilansicht. In anderen Filmen war es ähnlich, wenn auch in Flippers neuen Abenteuern schon Menschen in Badebekleidung gezeigt wurden, wie in o.g. Bond Film auch.

   Die Mode hatte in den 1960er Jahren ebenso großen Einfluss auf die Körperlichkeiten. Neben Prêt-à-porter brachten diese Jahre auch das erste Supermodel hervor: Twiggy. Leslie Hornby erlangte ihren Spitznamen Twiggy auf Grund ihres schmalen Äußeren. Die junge Twiggy mit blondiertem Bubikopf und fast androgynem Körper beeinflusste die 60er Jahre Mode mit transparentem Look. Es war schick wenig Busen zu haben und den dann in durchsichtigen Blusen durchschimmern zu lassen.

   Die damaligen Schönheitsideale wie Sophia Loreen(Bild), Liz Taylor(Bild), Gina Lollobrigida(Bild) oder Brigitte Bardot(Bild) waren schlank und doch kurvig, sie trugen zur allgemeinen Steigerung des Schönheitsbewusstseins in den 1960er Jahren bei. Die damals etablierten Modezeitschriften wie Brigitte oder Petra sowie Cosmopolitan boten Orientierung und Inspiration zugleich. Es ging aber noch weiter. Diese „Ratgeber“ brachten viele Diätvorschläge zu Tage, um das damals entstandene Schönheitsideal der „Teuersten Bohnenstange der Welt“, wie Twiggy von den Kritikern betitelt wurde, zu profilieren. Der zweifelhafte Erfolg hatte einen dreihundert-prozentigen Anstieg der magersüchtigen Frauen und Mädchen in Deutschland zur Folge.

   In der Kunstszene der 60er Jahre begannen die Künstler, den Körper als unmittelbares Arbeitsfeld zu entdecken, zunächst in der sogenannten „body art“ als Werk, in den siebziger Jahren dann als Material für das Werk selbst.

   Die 1960er Jahre brachten aber auch den Bikini hervor und gegen Ende des Jahrzehnts kam die sog. 68er Revolution, die einherging mit der Entfaltung der sexuellen Freiheit, des Beginns der Niederschlagung der fremdbestimmten Moralisierung und scheinheiligen Verteufelung alles Erotischen. Trotz dieser Befreiung verirrte sich manche Bewegung in die Sackgasse der Morallosigkeit wegen falsch verstandener Freizügigkeit. Die Zeit bereinigte diese Wirren der Irrläufer jedoch. Die Menschen konnten zunehmend die Freiheit des Körpers wahrnehmen, wenn auch noch immer vereinzelte Auswüchse zu beobachten waren. Heutzutage sind die Folgen der in den 1960er Jahren herniedergehenden Einflüsse der Eltern, Lehrer, Kirchenbediensteten und der Obrigkeit auf die Jugendlichen zu spüren. Nur noch vereinzelt findet man eine so strenge Moral nach dem Vorbild der Vorsechziger-Jahre. Nicht, dass jemand auf den Gedanken kommt, ich würde einen Verfall der Moral ausrufen, nein, ich beschreibe hier die Entwicklung zur Kritikfähigkeit, die Verschiebung der Werte von der ehemals aufoktruierten, scheinbar sittlichen Lebensweise des Bürgertums hin zu eines selbst bestimmten, in der Gesellschaft verwurzelten, mündigen, gemeinschaftlichen Verantwortungsbewusstsein.

   Immer wieder ist zwar eine Erneuerung oder besser Erfrischung an den Gedanken und die Tat zur sozialen Verantwortung auszurufen, um einer schleichenden Egozentrisierung der Gesellschaft entgegenzutreten, aber sehe ich mir die Jugend in meinem Umfeld (Koblenz)an, so sehe ich Hoffnung.

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