Moralia 2 {Das eigene Wesen Mensch} (32)

zet jeans hintern Mies-Vandenbergh-Fotografie

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Hier möchte ich anschließen an den Artikel „Moralia ( Die Einführung )„. Der Mensch als Zentrum seiner Gefühls- und Gedankenwelt – unsere Schaltzentrale und wie sie aufgebaut worden ist.

Es geht weiterhin um die Moral, diese hohe Instanz in unseren Köpfen. Wenn wir sie erkannt haben, wenn wir wissen, wer sie ist, und wenn wir es geschafft haben, ihre Entstehung in uns nachzuvollziehen, dann sind wir in der Lage, diese in Frage zu stellen.

Wir können die eigene Moral mit unseren Ideen und Wertvorstellungen in Bezug setzen. Danach ist es uns möglich, sie mit denen der Gemeinschaft abzugleichen, der Gemeinschaft, von der wir uns als ein Teil verstehen. Ich sehe uns dabei keineswegs als ein Produkt dieser Gemeinschaft, sondern viel mehr als ein Multiplikator. Durch unser Handeln – ursprünglich schon durch unsere schiere Existenz – prägen wir die Gesellschaft, in der wir wirken. Nicht umhin kommen wir bei unserem Beitrag zur Gemeinschaft auszudrücken, was wir denken: unseren eigenen, persönlichen Standpunkt zu vertreten!

Das geschieht durch Kommunikation auf verschiedenste Weise. Und wer jetzt denkt, er müsse ja nicht sagen, was er denkt, der täuscht sich gewaltig: Auch oder gerade durch „Nichthandeln“ oder „Nichtsagen“ drücken wir aus, welch Geistes Kind wir sind! Zwar bemerken es unsere Zeitgenossen nicht immer sofort, doch in der Summe charakterisiert sich der Einzelne sehr wohl, folglich auch dessen Gesellschaft. Unsere Position sollten wir natürlich kennen und danach den Mut haben, sie auszudrücken. MUT? Ja, Mut meine ich, denn es ist nicht leicht, sich zu positionieren, spielen doch mehrere externe Einflüsse sowie persönliche Faktoren eine Rolle:

1.  Ich sollte mich selbst gefunden haben. Ist dies nicht der Fall, so weiß ich nicht, von wo oder gar wem aus ich hier etwas reflektiere.

2. Ich sollte genügend Informationen über die Fragestellung gesammelt haben. Wenn ich durch Halbwissen wesentliche Inhalte nicht einbringen kann, so habe ich auf einer Seite des Hauses das Fundament nicht gesetzt und das Haus hält nicht mal einer Böe stand.

3. Ich sollte mich mit den Gedanken auseinander gesetzt haben. Habe ich nicht einmal das Für und Wider beleuchtet, so verblendet mein Fokus die Gesamtansicht und ich erliege einem Tunnelblick. Durch die Sichtweise von einem anderen oder mehreren weiteren Standpunkten aus erscheint mancher Gedanke plötzlich in einem gänzlich anderen Licht. Der berühmte Schritt zurück sei hier genannt, der den Wald vor lauter Bäumen enttarnt.

4. Ich sollte nach der Entstehungsgeschichte fragen. Warum ist es dazu gekommen? Welche Umstände oder welche Begleitumstände haben zu einem Zustand geführt. „Wer die Vergangenheit versteht, braucht die Zukunft nicht zu fürchten.“ Diesen Satz las ich als Kind in einem meiner Geschichtsbücher und er bewahrheitete sich durchaus. Heißt er doch übersetzt so etwas wie: “ Das habe ich schon mal gesehen, das könnte daher kommen, dass …“ Nicht das Schubladendenken propagiere ich damit, ich meine, es hilft mir zu wissen, dass Feuer heiß ist und zerstören kann, daher zünde ich keine trockene Wiese (mehr) an. Weiter übersetzt meine ich damit, dass ich in einer fruchtbaren Diskussion einen Menschen beispielsweise nicht persönlich untergrabe! („Du hast doch noch nicht ….“)

5. Ich sollte sagen, was ich denke und es begründen können. Auch ein Grund kann gemeinsam beleuchtet werden und vielleicht sogar als Trugschluss überführt werden oder überzeugen.

6. Ich soll mich trauen, etwas zu sagen. Es ist nicht immer leicht, etwas in der Gesellschaft zu verändern, oder auch einen Beitrag zu leisten, der gehört wird, gesehen oder erlebt wird. Mit im Strom zu schwimmen, das Fähnchen im Wind zu leben, trägt nicht dazu bei, die Gemeinschaft zu verändern, zu ihr etwas Wertvolles beizutragen. Dein Ruf in der Masse der „JAWOLLS“ ist dem Untergang geweiht, dem Untergang der Individualität, die von allen Seiten des Lebens mit den Waffen der Konformität torpediert wird. Ich meine, Veränderung führt meist zu positivem Fortschritt. Nicht, dass alles Althergebrachte falsch ist!  Durch die Tatsache, dass das Leben ein Fluss ist, und wir eine Zeitspanne zu Gast auf der Erde sind, finden wir immer neue Ufer. Diese gilt es neu zu erforschen, mit den Erfahrungen der Altvorderen und den eigenen zu verbinden.

7. Manchmal kommt es darauf an, ein Fels in der Brandung zu sein. In der Beziehung zu a. sich selbst; b. dem Partner gegenüber; c. der Gesellschaft gegenüber. Sei Du selbst, sage es, handle so, verweigere, was widerstrebt. Standhaftigkeit mit Offenheit sind im Punkto Moral keine Widersprüche in sich.


Mit dem Mut des eigenen Wesens kann ich folgerichtig die Moral in Frage stellen. Bezogen auf mein Hauptthema, für das ich hier etwas weiter ausgeholt habe und dies auch sicher noch des Öfteren tun werde, möchte ich zur vorhandenen Moral plakativ vermerken, dass ich diese scheinheilige Moral in dieser Gesellschaft, in der ich mich momentan aufhalte, in Bezug auf z.B. den Hintern nicht für wahrhaftig halte. (Wie in Bezug auf viele andere Themen auch!)

Zur Begründung:
Der Hintern ist und bleibt ein vielbeachtetes Körperteil. Dessen Anziehungskraft beim „anderen“ Geschlecht ist ungebrochen hoch. Die (heimliche) Suche im Internet, die von den Betreibern der Suchmaschinen ausgewertet nicht mehr allzuheimlich zu sein scheint, spricht eine mehr als eindeutige Sprache. Spreche ich mit verschiedenen Menschen über das Thema im weitesten Sinne, so spricht die Mehrzahl frei über die eigene Affinität zum Hintern des Partners oder schöner Hintern anderer Menschen.

Ich stelle hier bewußt die Frage nach der Herkunft dieser Tabus. Auf der Suche nach einer Erklärung werde ich in weiteren Beiträgen meine Erkenntnisse notieren. Die Scheinheiligkeit der Gesellschaft ist hinlänglich beschrieben worden. Eine kleines Beispiel dafür wäre der Umgang mit dem Maler Egon Schiele: 1912 wurde er wegen „Verbreitung unsittlicher Zeichnungen“ zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Bei Versteigerungen heutzutage bezahlen die Menschen für seine Werke Millionenbeträge.

Suche ich nach den Wurzeln dieses Übels, werde ich an vielen Orten fündig. Die Kirche scheint einer davon zu sein, die Vereine ein zweiter, die Medien ein dritter – die Reihenfolge steht hier ohne Wertung. Ich beabsichtige sie zu beschreiben, zwar noch nicht hier und jetzt, aber gemach, Freunde, es folgt alles zu einem späteren Zeitpunkt. 🙂

 

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2 Gedanken zu “Moralia 2 {Das eigene Wesen Mensch} (32)

  1. Freiheit, die uns sämtliche Institutionen predigen, bedeutet, dass wir uns vom menschlichen bzw. Irdischen befreien sollen.
    Also, Freiheit bedeutet der Tod!
    Sogar die Chinesen, die angeblich unsterblich wurden, wurden in den eigenen Mythen über die Unsterblichkeit, über die Weisheit gefangen, aber um sich zu befreien, müssten sie symbolisch sterben oder im Busch sich verstecken und dann je nach Bedarf auferstehen.
    Sogar die Nirwana ist ein Zustand, da wo die Glückseligkeit mit der Befreiung vom Körper verbunden.

    Der Tod ist die beste Erfindung!)))

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  2. Pingback: Moralia 3 {Ursachenforschung} (47) 《 Update 》 | Der wohlgeformte Hintern

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