Avatar und die Zeichnungen ( 13 )

count jeans hintern Mies-Vandenbergh-Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Im Animationsfilm existieren keine Grenzen hinsichtlich der Darstellung von (menschlichen) Körpern. Ob das nun ins denkbar Positive gerichtet wird, oder ins Abstruse, ob „Neytiri“ in Avatar (im gleichnamigen Film) oder „Smeagull“ (im Film „Herr der Ringe“) möglich ist die Idee. Die Vorstellungen aller Produzierenden schlagen sich dort nieder und werden so einem Publikum vorgeführt.

   Im 3D-Kino-Film „Avatar“, in welchem Animationsfiguren die Hauptdarsteller sind (Performance Capturing), werden diese (beiden) Figuren so dargestellt, dass die Schambereiche des menschlichen Körpers nicht sichtbar sind, der Hintern jedoch explizit. Ich möchte an dieser Stelle folgendes herausstellen: der Hintern der weiblichen aber auch der des männlichen Hauptakteurs werden sehr klar, deutlich und auch häufig dargestellt. Sichtlich ist, dass die Formen der Hintern ausgesprochen ausgeprägt und wohlgeformt „erfunden“, also gezeichnet, bzw. animiert wurden.

Ich unterstelle, das dies bewusst und gezielt so gedreht wurde. In zahlreichen einzelnen Szenen des Films ist die Zeichnung des Pos, besonders den der weiblichen Hauptrolle, sehr klar und deutlich zu sehen, so, wie es ein nackter Po eines realen Menschen auch wäre. Dabei sind die Form und die Kontur, die Größe und die Proportion (für meinen Geschmack) nahezu einem perfekten Ideal nachempfunden, dargestellt.

Über die Art der Aufnahme steht in Wikipedia:
„Der Film enthält große Anteile an fotorealistischen, computergenerierten Figuren, die mit dem Motion-Capture-Verfahren animiert wurden. Dafür notwendig waren technische Neuerungen wie die performance-capture-stage, mit der auch Mimik und emotionale Reaktionen der Schauspieler anhand von Markierungen im Gesicht und am Ganzkörperanzug erfasst, am Computer verarbeitet und schließlich auf die computergenerierte Figur übertragen werden konnten. Zur Erfassung der Bewegungen von Gesicht und Augen trägt der Schauspieler eine Kappe mit einer kleinen Kamera, die sich ungefähr auf Mundhöhe einige Zentimeter vor seinem Kopf befindet. So konnte Cameron mehr als 95 % des Schauspiels auf die digitalen Figuren übertragen.“

Ich meine, dass bei der Entwicklung der Zeichnungen, welche in der Machart einem teilweise animierten, teilweise auf realistischen Personen basierten Bildsequenzen, die Formen der Körper stark idealisiert wurden. Durch die strikte Beachtung symmetrischer Proportionen, die in manchen Studien zum Einfluss der Attraktivität evaluiert wurden, ergeben sich attraktive Objekte. Vorgenannte Studien beschäftigten sich zwar mit dem Gesicht oder dem Körper im Allgemeinen, wende ich diese Aussagen auf den Hintern an, ergibt sich für mich eine starke Konvergenz.

   An dieser Stelle möchte ich natürlich den Einwand gelten lassen, dass, wer Körper zeigen will, komme nicht umhin, auch den Po zu zeigen, da dieser natürlich zum Körper gehört. Ich gebe aber zu bedenken, dass hier allzu oft in der Vergangenheit eine Verdeckung des Hinterns gezeigt wurde, nämlich dergestalt, als es etwas obszönes und „ungehöriges“ wäre unseren Po als natürlichen Teil unseres Körpers zu werten.

   Betrachte ich den Po der Schauspielerin, die dem weiblichen Avatar zu Grunde gelegt wird, so stelle ich einige „Veränderungen“ des Körpers fest. Nicht nur, dass der gesammte Körper in der Animation optisch in die Länge gezogen wurde, auch die im Verhältnis dazu proportionierten Rundungen haben die Autoren deutlich idealisiert. Die Darstellung des Volkes der Avatare, um das es im Film geht, erscheint mir aus der Vorstellung des Menschen entlehnt zu sein, die aus Richtung der Models für Mode entspringt. Haben die meisten Models noch einen eher kleinen Po und sind mehr der Magersucht als der Fülligkeit nahe, so möchte ich die „Avatare“ zwar als hochgewachsen und allesamt schlank beschreiben, beides Attribute, die für ein Model als Mindestvoraussetzung gelten. Allein das „durchtrainierte“ Erscheinungsbild der „Avatare“ steht im Gegensatz zur klassischen Modelloptik.

   Wie ein durchtrainierter Po aussieht kann jeder nachsehen, auch wie ein wenig trainierter Po im Gegensatz dazu ausschaut, kann jeder vergleichen. Solche Hintern wie jene für den Film generierten – für meinen Geschmack durchtrainierten – finde ich in der Realität selten. Soll es denn im Film eine Fiktion sein und bleiben, so ist die Vorstellung der Macher und seiner begeisterten Zuseher klar erkennbar.

   Anhand meiner Fotografien kann ich ersehen, welche Form ein Hintern haben kann. Selbst den Vergleich mit diesen fiktionalen Popos kann ich durchaus wagen. Ist doch die Jeans ein „formgebendes“ Kleidungsstück, welches dem Hintern eine ganz bestimmte Form verleihen kann, so sollte man sich dennoch bewusst sein, der Hintern wäre im ursprünglichen Zustand doch meist anders geformt (wenn überhaupt geformt). Der Hintern im Bikini beispielsweise verzeiht da kein fehlendes Training, aber darum geht es an dieser Stelle nicht. Frage ich nach der Intention der Abbildung der Hintern, so, wie sie in dem Film dargestellt werden, so fällt mir die Antwort nicht sonderlich schwer. Es werden Körper (also auch Hintern) gezeigt, die in unserer Gesellschaft in jeder Hinsicht als anerkannt durchtrainiert, wohlgeformt und vorbildlich gelten. Gibt es deswegen auch schon Push up Hosen für die schönere Hinternform? (Zu der die Jeans mit Sicherheit zählt.)

   Eine vorerst letzte Frage stellt sich für mich nach den Hinterndarstellungen: Wie groß ist der Einfluss der so gezeigten Hinternfotos in diesen Filmen wie auch in anderen Medien („Lara Croft“ oder sogar die „Sims“) auf mich als Zuseher. Diese Frage geht einher mit der Frage nach dem Einfluss der „Schönen“ der Öffentlichkeit überhaupt.

Zur Frage, welche Bedeutung hinter der medialen Idealisierung der Körperproportionen steht, dazu komme ich im weiteren Verlauf des Blogs.

4 Gedanken zu “Avatar und die Zeichnungen ( 13 )

      • Ich werde mich anstrengen🙂 …und lese gerade auf Deinem Blog … und finde nach den ersten Worten toll, dass Du immer weiter wahrhaftig und folgerichtig weiterfragst!!! Ist viel Info für den „Einsteiger“ aber Du schriebst ja schon, dass es ursprünglich für Freunde gedacht war. Aber spannend auch für „Blogleser“ , die Dir bestimmt gerne beim ein oder anderen Erlebnis wertvolle Hinweise geben können. Mal weiterlesen. Für Dich: Veel Succes allemaal. ( Obwohl mein Niederländisch sich auf wenige Erfahrungen in der Urzeit meiner Vorfahren begrenzt und ich nur einen 4 semestrigen Sprachkurs 1987-1989 absolvierte!😉 )

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