Hintern im alten Orient ( 8 )

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   Die zugegebenermaßen nach heutigen Maßstäben unförmige Venus von Willendorf zeigt eine Figur, die mit nur annähernd menschlichen Proportionen gefertigt wurde. Dick im Sinne von „unförmig“ sind auch heute noch Menschen mit Stoffwechselstörungen, oder solche mit Essstörungen. Gibt es günstige und ungünstige Proportionen? Wenn ja, in welchem Zusammenhang?

 

   Dass es in der damaligen Epoche auch andere Darstellungen gab, das beweist uns die Höhlenmalerei vom Brandberg in Südwestafrika, genannt die „weiße Dame“. Bei ihr sind die Beine lang und der Hintern ausgeprägt, jedoch nicht übermäßig und ich finde, er geht schon in Richtung wohlgeformt. Unberücksichtigt soll hier vorerst die ethnologische Sicht der Menschen sein, denn in wie weit sich die Körperstatur des Menschen seit der nacheiszeitlichen Zeit veränderten, das möchte ich an anderer Stelle beschreiben. Mir geht es zuvorderst um das Aussehen des Hinterns in dieser Zeit.

   Im Bereich der Ostalpinen Hallstattkultur wurde in einem Grab ein bronzener Kesselwagen gefunden, der eine schlanke Frauengestalt in der Mitte zeigt. Diese Plastik zeigt eine Gruppe durchaus – wie nach heutigen Maßstäben – schlanker Menschen, die zwar nicht als Beweis für die Körperform des Menschen in der Eisenzeit dient, dennoch als idealisierte Darstellung gelten kann. Dies bedeutet, dass das Ideal schon in der Eisenzeit in dieser Region nicht in Richtung rundlich oder dick tendiert haben könnte. Selbst wenn diese Erkenntnis rein spekulativ ist, erkenne ich für mich wiederum genau jene Proportionen wieder, die in der heutigen Zeit idealisiert werden: Groß, schlank, lange Beine. Wenn wir heutzutage die Models betrachten, wären dies die Grundvoraussetzungen der Modeindustrie, um für diese als Model zu arbeiten. Dabei möchte ich das ohne Wertung erwähnen, denn nicht jeder empfindet ein sehr schlankes Model als schön. Auch über dieses Thema folgt eine Beitrag.

   Um wieder auf mein eigentliches Thema zurückzukommen, dem Hintern nämlich, so möchte ich noch ein sehr schönes Beispiel der Darstellung von Hintern in der Zeit des alten Orients benennen und beschreiben. Es handelt sich hier um die Stele des Naramsin. Das Relief zeigt den „Gottkönig“ Naramsin von Mesopotamien, wie er über ein Volk an der Ostgrenze Sumers obsiegt. Im Relief sieht man die Körper der Menschen von der Seite, dies aber in einer dergestalt wohlproportionierten Weise, dass diese Körper in der Gegenwart sicher als attraktiv empfunden werden würden. Die Linienführung der Rücken-Po-Beine Seite ist nach heutigen Maßstäben nahezu ideal. Hierzu könnte man gezielte Berechnungen anstellen, was sicher zu sehr interessanten Ergebnissen führen würde, doch der Blick darauf bestätigt beim Vergleich eines Bildes aus der Gegenwart die Identität.

   Somit zeigt sich, dass in den vergangenen Epochen unterschiedlichste Körperformen in der Kunst dargestellt wurden und sich daher nur schwer eine Tendenz zum epochenübergreifenden Schönheitsideal herausstellen läßt. Dass die Menschen jener Zeit in der Mehrzahl nicht die Proportionen der Venus von Willendorf besaßen, dürfte spätesten dann überzeugen, wenn man ihre Lebensgewohnheiten untersucht. Nomadenleben, harte tägliche Arbeit und Fluchtbereitschaft geben nur einige Hinweise auf die Behinderung wieder, welche diese Dimensionen bei ihrer Anwesenheit erzeugen würden. Entkäme die Venus von Willendorf einem Löwen nicht weniger schnell, als ein Mensch mit einem trainiertem Körper. Ein Feld zu bestellen und Beeren im Unterholz zu sammeln fiele einem ebenso mit einem sportlicherem Körper leichter. Dies alles sind nur vage Indizien und Schlüsse, beweisen in keinster Weise eine Richtigkeit und führen schon gar nicht zu einer Wertung.

Es sind interessante Spekulationen in einer Zeit, in der das Körperliche eine immer größere Bedeutung zu gewinnen, und das Menschliche darunter ziemlich zu leiden scheint. Unter der Prämisse, „Wer die Vergangenheit versteht, kann die Zukunft gestalten.“ bilden für mich derartige Untersuchungen einen Teil eines stabilen Fundaments, auf dem aktuelle Forschungsergebmisse unter verschiedensten Blickwinkeln sehr viel differenzierter betrachtet werden können. Absolut spannend! Meine ich!

Hintern in der frühen Kunstgeschichte ( 7 )

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Die frühen Hochkulturen

   Das Thema Abbildungen des Hinterns in der Kunst habe ich schon kurz angerissen, nun möchte ich es wieder aufgreifen.

Suche ich in den Werken der frühgeschichtlichen Kunst, so finde ich dort bezeichnende Beispiele für Werke mit Abbildungen des Hinterns. Auf Gefäßen der frühdynastischen ägyptischen Kunstepoche sind Abbildungen von Menschen -für meinen Geschmack- stark idealisiert dargestellt. Betrachte ich die Fresken ägytischer Künstler, so empfinde ich jene gezeichneten Beine als überdurchschnittlich schlank, lang (z.B. Gruppenstatue des Iai-ib und seiner Gemahlin Chuaut) und dabei dennoch ungemein wohlproportioniert. Im weiteren Verlauf von Gesäß über die Hüfte hinweg sind die Proportionen -sogar nach heutigen, westlichen Massstäben- nahezu ideal, wenn man einen idealen Verlauf als möglich voraussetzen mag (Wandmalereien in Theben). Es wurde vom Zeichner dort eine auffallend schlanke Hüfte gezeichnet. Gleichwohl die Taille, sie wurde auch proportional schlank gezeichnet. Dieser Tenor für die schlanke Form des menschlichen Körpers findet sich über alle Reiche ( altes, mittleres und neues Reich) in einem Zeitraum von nahezu 5000 Jahren beständig wieder.

Daraus ergibt sich auf den überlieferten Zeichnungen ein -für meine Augen- wohlgeformter Hintern, der, blicke ich nur auf den Bereich des Hinterns und der Hüfte, sowie den Oberschenkelansatz, eher dem eines jüngeren Menschen entspricht. (An den Ufern des Nils von Edda Bresciani

   Man kann folgendes gut erkennen: die Breite des Beckens hat einen bedeutenden Einfluss auf die Form des Hinterns, wie ich schon vorher bemerkte. Durch die jungenhafte Darstellung von Körpern, und gleich dabei, ob es sich um weibliche oder männliche Bildnisse handelt, weist auf die wesentliche Bedeutung der Körperproportionen in der ägyptischen Kunst hin. Mit jungenhafter Darstellung meine ich hier im Speziellen die Breite des Beckens. Durchgängig idealisiert ist in der Abbildung ein verhältnismäßig schmales Becken. Folglich werden auch Oberschenkel und Beine schlank dargestellt.(Die Göttin Iris)

So konstatiere ich, schon damals, mit dem Beginn der ägyptischen Hochkulturen, in der Zeit um 1000 v. Chr. könnten Schönheitsideale unter den Menschen eine wichtige Bedeutung gehabt haben. Die Hinweise darauf lassen mich dies hervorheben, finden wir doch aussagekräftige Zeugnisse davon, denn es ist davon auszugehen, dass die Normalverteilung der Körperformen auch damals schon starke Abweichungen beinhaltet hat. Überlieferungen aus der Zeit sind allgemein nur sehr dürftig vorhanden, daher bleibt vieles davon Spekulation. Allein die Konsistenz in der Darstellung über mehrere Jahrtausende hinweg geben Anlaß zu derartigen Vermutungen.

Die wunderbare Form des Hinterns ( 6 )

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  Bei der Betrachtung des Hinterns fallen mir neben der Breite und Tiefe, der Größe und Form besonders die Proportionen auf; als Gesamtbild oder Gesamteindruck, vielleicht aus der Entfernung, noch bevor Einzelheiten zu erkennen wären.

Geht man von den vielfach untersuchten Proportionen des Gesichtes aus, so kann man – durch Studien unterstützt – sagen, dass Proportionen eine entscheidende Aussagekraft auf die Erscheinung des menschlichen Körpers haben. Beim Gesicht können es beispielsweise der Augenabstand oder die Augengröße sein, ferner die Augenform und explizit die Form der Brauen. Gleichwohl die Form der Wangenknochen, die Form des Kinns, oder die Form des Mundes lassen eine bestimmte Aussage entstehen. Auf Anhieb können wir sagen, welches Gesicht uns sympathisch ist und welches Gesicht nicht.

    Britische Forscher erstellten aus vielen Fotos mittels Software am Rechner Durchschnittsgesichter (Morphing), bei denen sie die Symmetrie gezielt veränderten. Als Ergebnis stellte sich ohne große Überraschung heraus, dass symmetrische Gesichter stets attraktiver bewertet wurden. Viel häufiger wurden sie als ansprechend beschrieben, sogar als sympathischer bezeichnet, als asymmetrische Gesichter.

   Bei der Betrachtung des Körpers wurden von diversen Wissenschaftlern ganz ähnliche Versuchsreihen durchgeführt. In den Ergebnissen konnten dabei vergleichbare Schlussfolgerungen gezogen werden. Das hat u.a. William Brown mit seinen Kollegen von der Brunel University in Uxbridge, Großbritannien herausgefunden.  Sie haben menschliche Körpermodelle eingescannt, die anschließend Versuchspersonen vorgestellt wurden. Diese Versuchspersonen sollten daraufhin die Attraktivität der Körper bewerten. Als Erkenntnis konnte von den Wissenschaftlern heraus gestellt werden, dass die Versuchspersonen jene Menschen mit symmetrischen Körpern für wesentlich attraktiver hielten, als solche mit einem weniger symmetrischen Körperbau.

      In einer weiteren Studie berichtet Cinzia Di Dio von der Universität in Parma über eine Bewertung von Bildern von Skulpturen menschlicher Körper. Die Forscher zeigten Probanden Bilder dieser Skulpturen, die im original abgebildet waren, zwischendurch fügten sie jedoch immer wieder Bilder von den gleichen Skulpturen ein, die jedoch mit einem Computerprogramm unwesentlich verfremdet worden waren. (z.B. kaum erkennbar kürzere Beine,…) Gemessen wurde u.a. die Gehirnaktivität bei den Probanden während der Betrachtung der einzelnen Bilder. Es zeigte sich, dass bei der Betrachtung der originalen, unverfälschten Bilder die Gehirnaktivität messbar höher war, als bei den verfremdeten Bildern der Skulpturen. 

   Damit bestätigt sich (für mich), dass Menschen – bewußt und unbewußt – ein Auge für die Körperproportionen des Gegenüber haben. Vielleicht genetisch bedingt erkennen wir den gesunden, wohlgeformten Habitus des Körpers sehr schnell und eindeutig.

   Bei Menschen im fortpflanzungsfähigem Alter, denen die Prämisse der Suche nach dem gesündesten Fortpflanzungspartner unterstellt werden mag, laufen bestimmte Prozesse zwingend ab. Wie in archaischen Zeiten werden in den Windungen unseres Gehirnes entsprechende Muster abgespult. Auch wenn wir dem nicht nachgehen, so konnten diese Abläufe doch ausgiebig erforscht und bestätigt werden. Erleichternd für die Auswahl oder das Erkennen der positiven Proportionen kommt in unserer Zeit die relativ leichte Erkennbarkeit der Verhältnisse der Körperglieder hinzu. Nämlich durch die Art der körperbetonten Kleidung. Die aktuelle Mode zeigt den Menschen einerseits Deutliches vom Körper des Menschen, allerdings lassen sich dadurch auch weniger gut eventuelle Defizite verbergen.

   Jeder Mensch findet, durch mannigfaltige, lebenslange Einflüsse bedingt, wie durch genetische Vorgaben begleitet, einen eigenen Typus von Körper attraktiv. Das ist zwar nicht unbeachtet der allgemein gültigen Vorstellungen von schönen Körpern getrennt zu sehen, doch in Verbindung mit dem Charakter des Einzelnen kommen weitere maßgebliche Einflüsse zum Tragen.

   Für mich beispielsweise möchte ich feststellen, das mir der nicht ganz schlanke Körper, aber auch nicht der zum Vollschlanken neigende Körper vom Ansehen gefällt. (Siehe meine Fotografien) Da es in diesem Blog zuvorderst um die Erscheinung geht, lasse ich das Wesen, den Charakter, das Herz des Menschen außen vor! In gewisser Weise handelt es sich hier also um Oberflächlichkeiten 😉 „Die Formen des Körpers“. Es werden Einflüsse der Kulturen, Moden und Perioden beschrieben werden, und auch versuche ich herauszufinden, ob es Parallelitäten gibt. Ein für mich spannendes Feld, herauszufinden, wie der Mensch tickt. 🙂