Das visuelle Wesen – oder „der Mensch sieht gerne hin“ ( 5 )

Dog Jeans Mies-Vandenbergh-Fotografie

Mies-Vandenberg-Fotografie

In diesem Artikel beleuchte ich kurz die Regionen des menschlichen Körpers und die Häufigkeit der Betrachtung dieser Regionen. Die Wichtigkeit der Augen als bedeutendster Sensor des Menschen ist dafür entscheidend.

    Wenn ich mit Freunden und Freundinnen über das Thema Aussehen spreche, so finde ich so viele Meinungen wie ich Menschen finde. Begegnen wir einem Menschen, sehen wir ihn als erstes an! Als soziales Wesen können wir nicht anders, als zu schauen. In diesem flüchtigen Augenblick frage ich mich, wohin wir beim gegenüber zuerst sehen? In der Summe der Benennungen ist jeder Fleck des Menschen benannt. Alles? Ja, ich meine alles, wenn auch manche Körperansichten oder Teilansichten nicht auf den ersten Blick zu sehen sind, weil sie abgewandt sind oder üblicherweise mit Kleidung bedeckt sein sollten. Wenn mir mein Freund Markus sagt, er fände die schlanken Füße seiner Frau besonders schön, so hat er sie vermutlich beim ersten Treffen in der Mensa der Uni, wo er sie zum ersten Male traf, noch nicht sehen können. Im Freibad wäre das natürlich möglich gewesen.

   Oft werden in den Antworten der Befragten die bezaubernden Augen genannt, die als „Tor zur Seele“ etwas sehr faszinierendes an sich haben. Nebenbei sind es gerade die Augen, die den Gegenüber betrachten, ansehen, die ihm oder Ihr nachgucken. Tief in die Augen schauen wir unserem Gegenüber, wenn wir mit ihm sprechen. Verschämt schauen wir mitunter weg, wenn uns etwas peinlich ist, so daß unsere Augen möglichst nicht zu sehen sind. Wir senken unseren Blick, wenn wir traurig sind.

   Häufig nennen mir meine Freunde und Freundinnen die Beine, die Haare, auch die Brust, der Busen, und natürlich der Po ist ebenso dabei. Nicht unbedeutend ist dabei die Gesamterscheinung des Menschen. Welche Körperproportionen hat er? Wie ist es mit der Form? Wie ist es bei einer „Unförmigkeit“. Dazu wurden einige wissenschaftliche Studien in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse nach ihrer Durchführung erstaunlicherweise die Aussage zur Folge hatte, dass es sehr große Unterschiede in der Bedeutung oder Bewertung der Proportionen des Körpers gab. Die Probanden erkannten dabei sehr sicher Abweichungen von der Norm von den allgemeingültigen Vorstellungen des idealisierten Körper.

   Erste bekannte und überlieferte Überlegungen über die Körperproportionen werden uns durch die Zeichnungen von Leonardo da Vinci vor Augen geführt. Die Zeichnung „Das Bildnis des vitruvianischen Menschen“ ist in die Elemente des Kreises aufgeteilt, welche uns verdeutlichen, wie Leonardo da Vinci die Körperbereiche unterteilt hat, um die Verhältnisse der Bereiche untereinander in Beziehung zu setzen. Beispielsweise wirkt ein kleiner Po bei sehr langen Beinen anders, als bei proportional kürzeren Beinen. Wie ein großer Po gleichsam je nach Breite des Beckens eine gänzlich andere Form erhält.

   Was haben nun die Körperproportionen mit dem Hintern zu tun? Wenn ich Menschen nach der Attraktivität frage, so sind die Antworten meist auf eine bestimmte Körperregion bezogen. Klassisch sind natürlich der Po und der Busen bei Frauen, bei Männern ist es gleichfalls der Po und die breite Schulter. Sonst noch habe ich erfragt:

  • Gesicht
  • Haare
  • Hände
  • Zähne
  • Fingernägel
  • Beine
  • Augen
  • Mund
  • Wangen
  • Lippen
  • Hüfte
  • Oberarme

   Wohlgemerkt, es geht hier in der Betrachtung um das Aussehen des Menschen und die Bedeutung dessen in unserer Gesellschaft. Was den Menschen im Wesentlichen ausmacht geht noch viel weiter, wird von mir hier jedoch nicht explizit beschrieben. (Wesen, Seele, Lachen, der Blick, das Handeln im Besonderen, …) Dass der Mensch nur als Ganzes zu sehen ist, dürfte jedem bewusst sein. Im Besonderen möchte ich, wie es der Titel bereits verrät, auf die Bedeutung des Pos eingehen, sowie die mit diesen Überlegungen verbundenen gesellschaftlichen Restriktionen beleuchten. Vorweg möchte ich der Frage nach der Rolle der Körperproportionen bei der Betrachtung des Pos nachgehen.

    Beim Verlauf von Hüfte und Becken über den Po bishin zu den Beinen, speziell den Oberschenkeln führt der Knochenbau des Menschen zu den unterschiedlichsten Linien. Betrachte ich einmal die Breite des Beckenknochens in der Frontalansicht, so kann das Antlitz des Menschen von vorne oder von hinten sehr stark variieren. Eine frauliche Form und Breite des Beckens zeichnet einen eher breiten Po, während ein schmaleres Becken demnach einen schmalen Po formt. Nebenbei erwähnt spielt das Alter eine zusätzliche Rolle. Ziehe ich das Kindchenschema heran und betrachte gleichzeitig die Stadien der Körperentwicklung vom jungen Mädchen zur Frau, so findet während dieser Entwicklung eine allmähliche Verbreiterung des Beckenknochens statt. Fachleute sprechen gemeinhin von der Entwicklung der Gebährfreudigkeit des Beckenbereiches. Ferner verändert sich mit zunehmendem Alter der Winkel im Oberschenkelknochenkopf und -hals, der sog. CCD-Winkel wird größer und die Hüfte wird breiter: Der Winkel beträgt bei Säuglingen 145°, beim Kind etwa 140°, ab der Pubertät 130° beim Erwachsenen etwa 126° und beim alten Menschen etwa 120°.

Ein breiteres Becken galt seit je her als ein Indiz für die Fähigkeit, Kinder (leichter) zu gebären, und dies führt neben anderen Anzeichen zu gesteigerter Attraktivität. Warum in unserer Gesellschaft – entgegen dieser Natürlichkeit der fraulichen Entwicklung – das schmalere Becken zum Schönheitsideal forciert wird, ist Thema eines weiteren Beitrages.

Die Tatsache, dass heranwachsende, jüngere Menschen einen schmaleren Beckenknochen ausgebildet haben, als ausgewachsene und ältere Menschen mag in dem überbewerteten Streben nach Jugend besonderen Einfluss nehmen. Besonders bei Frauen wird dies deutlich. Ein schmales Becken gilt in der heutigen Zeit (2012) als attraktiv. So gilt es über die Kulturen hinweg als ein Zeichen von Jugend, das, wonach alle Menschen weltweit streben. Wenn ich den Menschen von der Seite betrachte, so spielt die Breite des Beckens nicht eine solch bedeutende Rolle, während bei der diagonalen Ansicht die Breite wieder eine Rolle im Zusammenspiel mit der Proportion zum Gewebe, den Fettreserven und den angrenzenden Körperteilen einnimmt. Für den Betrachter werden diese Perspektiven rein intuitiv bearbeitet, mit der Folge, dass ihm mal der eine, mal der andere Mensch besser gefiel. Das „Warum“ ergründen die wenigsten, und es steht auch nicht zur Debatte, weil die Reaktion des Menschen trotz Information nicht anders verläuft, als zu Urzeiten.

Fazit:  Was kann ich festhalten? Der Mensch ist ein durch und durch visuelles Wesen. Und obwohl er meint, mit seinen Augen alles zu erkennen, spielen sich viel komplexere Vorgänge beim einfachen Betrachten, z.B. eines wohlproportionierten Hinterns ab, als nur sehen. Die Frage zu klären, wieviel davon gesellschaftlich geprägt oder natürlich abläuft, ist ein interessantes Themenfeld und sicher einer näheren Untersuchung würdig. Mehr dazu möchte in den folgenden Beiträgen erläutern.

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